Berliner Morgenpost 12.10.2018
"Die Zeit gehört den Zärtlichen"
Klaus Hoffmann gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Liedermacher. Am Freitag erscheint sein 42. Album.
12.10.2018, 05:30
Yannick Höppner

Klaus Hoffmann schwelgt in Erinnerungen, doch nicht jede davon ist versöhnlich.Foto: Reto Klar


Berlin. Es könnte Klaus Hoffmanns letztes Album sein. Nicht nur deshalb war „Aquamarin“ für den 67-jährigen Musiker und Schauspieler eine Anstrengung. Ab November ist er wieder auf Tour, vorher hat er mit uns gesprochen: über das Album und das Leben.

Herr Hoffmann, können sich Ihre Hörer auch nach 42 Alben noch auf etwas Neues bei Ihnen freuen? Und wenn ja, was wäre das bei "Aquamarin"?

Klaus Hoffmann: Die Antwort auf die erste Frage ist, dass sie nicht erpicht sind unbedingt diesen Erfolg zu verbuchen etwas Neues gefunden zu haben. Darunter liegt aber die Suche, doch etwas Neues dabei herauszukriegen. Bei "Aquamarin" ist das, glaube ich, dass ich die Werte, also das, was mir wichtig ist, besser herausgekitzelt habe. Außerdem singe ich ein bisschen besser.


Nach mehr als vierzig Jahren auf der Bühne?

Klaus Hoffmann: Na ja, glücklicherweise habe ich schon gehört, dass es einigen nicht nur gefällt, sondern dass sie auch sehen, was ich da versucht habe reinzubringen. Ich bin ja einer, der noch aus dem Liedermachen kommt, aus den 60er-Jahren, aber dann überging zu den Franzosen. Ich habe es immer gemocht, wenn die so theatralisch, groß und pathetisch ihre Sehnsüchte beschrieben. Und das habe ich eben versucht, auch auf diesem Album wieder zu machen.

Und das scheint Ihnen gelungen.

Klaus Hoffmann: Ja, ich habe das Album unglaublich gern. Leider bin ich nicht mehr so pathetisch, aber die Inhalte, mein Inneres nach außen zu bringen, die sind geblieben und haben sich in diesem komischen Wort "Aquamarin" erfüllt.

Was bedeutet denn die Farbe Aquamarin für Sie?

Klaus Hoffmann: Als alter Berliner wollte ich immer nach Langeoog und wurde auch verschickt in dieser Nachkriegsgeneration. Mit den Kids, die nichts hatten und dann diese große Freiheit erleben sollten. Oder mal durchatmen. Es ist das kindlich romantische Bild auf der Suche nach dem Meer. Aber es ist auch ein Code: Erinnere dich. Da kommst du her, da gehst du immer wieder hin. Insofern ist meine Farbe schon das tiefe, männliche Blau, und das begleitet mich immer fort.

In ihren Texten bemühen Sie immer wieder das Kind von früher. Wird das schwerer mit der Zeit - oder sogar lästig?

Klaus Hoffmann: Ja, es nervt.

Warum tun Sie es sich dann an?

Klaus Hoffmann: Weil es wahrhaftig die tiefste Empfindung ist. Wo ich recht und unrecht hatte. An sich erzähle ich immer die gleiche Geschichte. Aber da kommt alles her, und vielleicht geht da auch alles wieder hin. Es ist ein romantisches Bild, aber es ist verkleistert. Dieses tapfere Kind, das du mal warst, mehr oder weniger unvollkommen, hat so seinen Platz in der Welt gesucht. Und irgendwann hast du dir die ersten Backpfeifen geholt und kapiert, gewisse Fragen gehören hier jetzt nicht mehr hin.

Auf dem Album singen Sie sinngemäß davon, dass damals ohne die Beatles alles noch viel schlimmer gewesen wäre. Haben Sie mit Ihren Texten auch den Anspruch, etwas Frieden zu stiften?

Klaus Hoffmann: Ich war ja ein John Lennon-Fan, jetzt bin ich aber auch älter geworden. Meine Vorbilder kamen eher aus Frankreich, Jacques Brel zum Beispiel. Blöderweise sind nun alle Vorbilder gestorben. Jetzt bin ich mein eigenes, muss das also einlösen. Friedenstiftend — mein erstes Lied aus dieser Gattung hieß „Heute rette ich die Welt“. Ich als dieser Knirps, der erzählt, ich rette die Welt. Wen will er denn da alles retten? Die Welt, das ist ja nun schon ziemlich groß. Diese Aufgabe verspürt habe ich nie, aber ich glaube, ich hatte sie immer. Aber ich habe nicht vor zu sagen: Friede, Freude, Eierkuchen. Obwohl das der Inhalt meiner Lieder ist.

Es ging bei Ihnen oft um Sehnsucht, den Aufbruch, das Glück. Wenn man so lange auf der Suche danach ist, kommt man dem von Album zu Album ein Stück näher?

Klaus Hoffmann: Nein, überhaupt nicht. Ich empfinde Dankbarkeit, dass ich das alles überhaupt erzählen kann. Und davon lebe. Und das ich das gespiegelt bekomme von Menschen, über 40 Jahre lang. Ich glaube aber, die Sehnsucht hört nie auf.

Das Rebellisch-Sein scheinbar schon.

Klaus Hoffmann: Ich bin in den ersten Jahren mit meinen rebellischen Platten rausgegangen, viele wollten mich dann noch immer so bewahren. Der junge Werther, immer kritikfreudig. Aber das heißt nicht, dass ich das heute weniger sehe. Ich glaube, ich sehe es sogar viel mehr. Aber ich gehe nicht auf das Vokabular ein, das das politisch irgendwie abklopft.

Das Lied „Jemand, der mich liebt“ handelt von kantigen Menschen, die sich bekriegen.

Klaus Hoffmann: Das stimmt. In letzter Zeit finden wir uns ganz schnell bei Themen wie Chemnitz ein. Ich meinen Liedern muss ich nicht direkt verweisen auf diesen politischen Anspruch, ob korrekt oder nicht korrekt. Aber die Zeit ist, dass wir als Liedermacher diese Themen berühren müssen, mehr denn je. Dass wir zusammengehören und kein Rassismus gepflegt wird. Sagt den Idioten, die Zeit gehört den Zärtlichen.

Ihre Zeit hat auch dem französischen Chansonnier Jacques Brel gehört, dem Sie sich schon immer sehr verbunden fühlten. Wie viel Brel steckt in „Aquamarin“ — oder haben Sie ihn mit der Zeit abgearbeitet?

Klaus Hoffmann: Ja, ganz wenig. Ich habe ihn entlassen. Aber wenn ich ihn brauche, dann hole ich ihn immer wieder gerne herein. Brel habe ich ja leider nie kennengelernt, ich war nur wie besoffen von seiner Stimme. Die war so weiblich-männlich, scheinbar rebellisch und trotzdem so gefühlvoll. Und der weinte dann, das hat mir gefallen. Und dann habe ich auch angefangen für mich eine Stimme zu finden. Die hatte ich nicht immer, ich habe wirklich geklungen wie ein kaputter Auspuff. Und irgendwann habe ich die ganze Zeit einfach nur gesungen. Voller Ängste. Vor Leuten auftreten in den 60ern, in den Clubs, die haben dich heruntergezerrt mit deinen leisen Liedern. Heute bin ich ganz froh, das gemacht zu haben.

Das Resultat sind mehr als 600 geschriebene Songs. Feiert man nach dem 42. Album überhaupt noch?

Klaus Hoffmann: Heute gucken wir immer auch mit einem Auge auf dem Markt. Und wenn der Markt dich segnet, im Sinne von du bist noch da, dann fängst du irgendwann an zu feiern. Aber vorher nicht, außerdem bin ich Protestant. Aber generell — die Frage ist gut, ja. Warum nicht mal wieder feiern?

Sie haben in Ihrer Biografie geschrieben, dass jeder Musiker beim Produzieren eines Albums denken würde: „Das ist die letzte Platte.“ War sie das?

Klaus Hoffmann: Das habe ich auch gedacht, aber seit ein paar Tagen sehe ich das wieder anders. Ich glaube, mit diesem Gefühl muss man in ein Album hineingehen.

Macht Ihnen denn das Älterwerden etwas aus?

Klaus Hoffmann: Unbedingt, weil die Kiste irgendwann zu ist. Das war mein größtes Problem in meinem ganzen Leben, das zu sehen und nicht anzuerkennen. Was ist es eigentlich, was dich aus dieser Erkenntnis rettet? Das ist Leben — oder? Und das ist auf der Bühne ganz schön.
AUDIO 11/2018:
Klaus Hoffmann AQUAMARIN
Mitte der 1970er - ja, über 40 Jahre ist das schon her - debütierte der Schauspieler Klaus Hoffmann als Sänger, noch bevor er mit den "Neuen Leiden des jungen W." seinen filmischen Durchbruch erlebte. Mehr als drei Dutzend Alben, DVDs und Romane später veröffentlicht der inzwischen 67jährige Berliner eine neue CD, die er mit seiner Band auch live vorstellen wird. "Aquamarin" ist so herrlich unmodern, so mutig gefühlig, so melancholisch chansonesk, so souverän schmalzig wie seine besten Alben aus der Frühzeit. Erstaunlich, wie gut sich seine mitunter vibrierende Stimme gehalten hat. Streicher? Aber gerne. Abgeschmackte Bilder wie "der Regen weint"? Gibts auch. Kandidaten für das schönste Lied des Jahres 2018? Unbedingt!
Lothar Brandt
POPSCENE 10-2018
Klaus Hoffmann - Sehnsuchtssänger aus der Hauptstadt
Der gebürtige Berliner fielt schon länger als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Chansonniers. Mit seinem neuen Album "Aquamarin" schließt Klaus Hoffmann den Kreis zu seinen künstlerischen Anfängen in den späten 1960er Jahren und seiner 1975 beginnenden Diskographie. Mit Hawo Bleich, Arrangeur und musikalischer Leiter am Flügel, mit Michael Brandt (Gitarre), Peter Keiser (Bass) und Stephan Genze (Schlagzeug) kommt der großartige Entertainer auch in das Saarland. Vor seinem Auftritt in Saarbrücken sprachen mit mit ihm.

Sänger, Songwriter, Liedermacher, Autor und Schauspieler. Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?
Genau so. Mir hat der Autor und Schauspieler geholfen, das Lied auf der Bühne zu singen. Es ist genau so ein Triptychon wie Sie es beschrieben haben. Aber ich mußte alles lernen, war als Kind scheu und bin durch die Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule erst zu meinem Fundament gekommen.

Berlin war und ist immer wieder Thema und Inhalt in Ihren Songs. Die Stadt hat sich seit der Wende rasant verändert. Ist das Berlin heute noch ihr Berlin, in dem Sie geboren und aufgewachsen sind sowie leben?
Seit dem Mauerfall ist es ein bißchen ungemütlicher, schneller, aggressiver, multikultureller geworden. Ein Brennpunkt für viele Schichten, aber auch ich habe mich ja verändert. Ich hole mir die künstlerische Inspiration in der Stadt, wohne mit meiner Frau Malene aber außerhalb auf dem Land. Mein neues Berlin-Lied "Ein Leben lang mit dir", stellt den Widerspruch von Berlin treffend dar.

Ihre ersten Alben zwischen 1975 und 1980 waren große Erfolge, machten ihren Namen einem breiten Publikum bekannt. Spielen Sie heute noch das ein oder andere Stück aus dieser Zeit live?
Es gibt ja Klaus Hoffmann in drei Variationen. Mit Band, wie beim aktuellen "Aquamarin"-Programm, zusammen mit Pianist Hawo Bleich und solo bei Lesungen. Und für alles nehme ich alte Lieder, teilweise habe ich sie gar nicht mehr so gemocht, habe sie mir aber zurückgeholt.

Mit ihrem Kollegen Reinhard Mey verbindet Sie eine tiefe Freundschaft. Wie kam es dazu?
Ich habe ihn schon früh als Künstler in Berliner Clubs gesehen. Später waren wir gemeinsam auf Tournee in Frankreich. Wir haben beide von Francois Villon, dem rebellischen Dichter gelernt. Mey ist wie eine Art Bruder für mich. Und so haben wir auch diverse Lieder gemeinsam aufgenommen. Ein großes Geschenk, daß diese Freundschaft bis heute anhält.

Sie haben sich auch als Jacques Brel-Interpret einen Namen gemacht. Warum fiel Ihre Auswahl gerade auf den belgischen Chansonnier?
Zunächst verstand ich gar kein Wort französisch, aber seine Stimme hatte eine unwahrscheinliche Anziehungskraft. Französische, homosexuelle Betreiber eines Berliner Clubs, in dem ich damals auftrat, hatten mir Brel nahegebracht. Dessen Können hat mich einfach fasziniert. So kam es dann zu den Interpretationen. Es hat lange gedauert, bis ich ihn als Künstler und Leitfigur ganz verstanden habe.

Gibt es so eine Art "Roten Faden" für das Album mit seinen 16 Songs zwischen "Ich denke an Dich" und "Was machst du morgen"?
Ich glaube ja. Es veränderte sich innerhalb von zwei Jahren einiges, in denen ich mit Arrangeur Hawo und den Musikern daran gearbeitet habe. Der "rote Faden" ist aber quasi der Aquamarin als schöpferische Quelle. Um zu werden was Du bist, darum geht es immer wieder. Eine Reise von innen nach außen mit den Lieblingstiteln "Was gut ist und was nicht", das humane Werte vertritt und "Ich selbst allein", eine Art Kinderlied für Erwachsene.
Frank Keil
Saarbrücker Zeitung 04.10.2018
Klaus Hoffmann -
Der Liedermacher über rechten Populismus, Horst Seehofer, Clueso, das Älterwerden – und Charles Aznavour.
„Diese Entwicklung finde ich zum Kotzen“
Von Tobias Kessler
Er ist der Mann der leisen Töne und ein regelmäßiger Gast in unserer Region: Klaus Hoffmann (67). Der Berliner Musiker, Autor und Jacques-Brel-Fan, der als Schauspieler 1976 mit „Die neuen Leiden des jungen W.“ bekannt wurde, hat ein neues Album eingespielt: „Aquamarin“ heißt es und ist ein Reigen zarter, manchmal melancholischer, oft romantischer Stücke, in luftigen, abwechslungsreichen Arrangements, eingespielt mit seiner Live-Band – ein klassischer Hoffmann eben. Der Chansonnier stellt das Album, das auch dem großen Sängerkollegen Charles Aznavour die Ehre erweist, Mitte November in Saarbrücken vor. Wir haben vorab mit ihm telefoniert.
Ihr neues Album „Aquamarin“ ist fertig, erscheint aber erst kommende Woche. Wie sind die letzten Tage vor der Veröffentlichung für Sie?
HOFFMANN Das ist mein 42. Album, wenn man Live-Platten und sowas mitzählt – aber ich bin nervös wie immer, auch wenn ich das Album sehr mag. Ich liebe ja die Sänger beim Festival in San Remo, die im Karojacket die Showtreppe herunterkommen und „Azzurro“ singen – das große Lied eben. Das habe ich bei diesem Album ein bisschen geschafft, und ich singe auch ganz gut, was ich ja nicht immer tue.
Telefonieren Sie gerade im Auto?
HOFFMANN Ja, ich bin auf dem Weg von Berlin nach Hamburg. Ich sitze gerne im Auto, und wenn es auf der Autobahn noch ruhig ist, kann man sehr gut nachdenken über alles – das eigene Leben, die eigene Zukunft, die Lage in Deutschland.
Letztere lässt einen gerade gruseln.
HOFFMANN Ja, es ist zum Fürchten. Drei Generationen nach der Shoa wird „Jude“ wieder als Schimpfwort benutzt, es wird lasch mit Diskriminierungen von Menschen mit anderer Hautfarbe umgegangen. Das ist eine Entwicklung, die ich zum Kotzen finde. Und schlimm ist es, dass wir  demütig denen zuhören, die jetzt die Fresse so weit aufreißen. Ich komme ja viel rum, es gibt unglaublich viel gelungene, gute Integration. Der sogenannte Normalo sieht das ja auch so. Aber man hat der rechten Gesinnung nicht genug Grenzen gesetzt.
Greift der Gedanke, dass der Extremismus im Osten Deutschlands größer ist als im Westen, zu kurz?
HOFFMANN Ja, aber man darf nicht übersehen, dass die Deutsche Einheit mit vielen  Kränkungen gegenüber dem Osten verbunden war. Wir haben da vom Westen aus vieles mit Druck durchgesetzt. Auch durch diese Kränkung und durch ihre soziale Situation schließen sich Menschen Leuten an, die  unsere Demokratie zerstören wollen - Idioten, die ihnen sagen, dass sie sich für sie einsetzen, was nicht mal stimmt. Ich habe mich immer als politisch empfunden, auch wenn ich das in meinen Liedern selten deutlich ausgedrückt habe.  1991 schrieb ich „Stein auf Stein“, mit der Zeile „Es riecht nach Dummheit und Gefahr“, das Stück singe ich jetzt wieder.
Wie finden sie den Aufruf vieler Kulturschaffender, Innenminister Horst Seehofer zum Rücktritt zu bewegen?
HOFFMANN Den finde ich gut, ich hätte auch gerne unterschrieben – aber mich hat keiner gefragt. Ich habe große Furcht vor der Zeit, wenn Angela Merkel weggeht. Dann kommen die harten Männer, die sich den rechten Argumenten anschließen werden, um an der Macht zu bleiben – ich nehme Horst Seehofer da nicht aus.
Von Seehofer zu Charles Aznavour ist ein weiter Sprung – aber stimmt es, dass sie den großen Kollegen auf dem neuen Album dabei haben wollten, beim Stück „Du siehst aus wie Papa“? Nun ist er in dieser Woche gestorben – was hat Aznavour  für Sie verkörpert.

 HOFFMANN Ja, ich habe von ihm ja schon einiges gesungen, „Sie“ etwa und „Mein Herz ist ein Kind“. Dazu hatte er seinen Segen gegeben, was mir sehr wichtig ist: Er ist ja einer der letzten ganz Großen. Ich habe ihn angeschrieben, ob er das Stück mit mir singen würde. Er sagte, im Prinzip sehr gerne, aber er habe zu viel um die Ohren, immerhin war er da schon 94. Ich habe ihm daraufhin das Lied gewidmet. Und jetzt ist er gegangen, furchtbar. Aber sein Werk und seine Stimme werden bei uns bleiben und wir werden uns an ihn in Liebe erinnern.
Sie sind jetzt 67 und singen auf „Aquamarin“ auch von der Endlichkeit. Wie empfinden sie das Älterwerden?
HOFFMANN Man hört die Stimme der Endlichkeit stetig stärker – aber die habe ich schon mit 17 gehört, ich war ja immer rastlos. Sicher, Altern ist scheiße – aber Jungsein auch, wenn man keinen Job hat oder nicht gesund. Der Vorteil  des Alterns ist, dass man schon eine Menge erlebt hat. Bei einigen Dingen weiß ich, dass ich klüger geworden bin. Etwa dass ich weniger auf Leistung und Ergebnis schiele, was früher stärker war, weil ich so erzogen wurde.
Erreicht man im Alter schließlich einen Punkt der wirklichen Reife? Oder sucht man immer weiter?
HOFFMANN Vielleicht sucht man immer weiter. Der Begriff Aquamarin ist für mich ein Schlüsselwort, der Begriff von etwas, das einen auf seiner Lebensreise begleitet – die eigenen inneren Werte etwa. Ich war immer ein Angsthase, ich hatte Angst vor Gewalt, vor Dogmen und vor Klugscheißern. Einen Ort in der Gesellschaft ohne das alles würde ich schon gerne finden, bevor ich den Löffel abgebe. Also ist Friede, Freude, Eierkuchen immer noch meine große Sehnsucht.
Wie sähe dieser ideale Ort aus?
HOFFMANN Ich habe mir immer eine Art „Schule unter Bäumen“ gewünscht, in der diskutiert und philosophiert wird, in der es mehr Austausch gibt und weniger Gewalt. Aber die Zeit steht auf Trump. Ich bin keiner, der besonders optimistisch ist. Ich brauchte mein Leben lang, um zu der Gesellschaft hinzufinden. Am liebsten hätte ich ja immer die Kraft gehabt, auszusteigen – aber wo steigst Du dann ein? Das Problem habe ich irgendwann kapiert.
Jan Böhmermann hat sich in seiner Nummer „Menschen Leben Tanzen Welt“ über viele neue Singer-Songwriter lustig gemacht, die einen Hang zu Pathos und der großen Geste haben. Wie sehen sie das?
HOFFMANN Ich verstehe, was er meint, kann das aber nicht teilen. Ich mag selber das große, pathetische Lied. Das Pathos, mit dem manche jungen Kolleginnen oder Kollegen singen, ist mir manchmal sogar zu klein. Oder auch zu naiv. Aber genau diese junge Naivität gehört da rein, sonst kommst Du gar nicht weiter. Künstler wie Clueso mag ich einfach sehr gerne, und neulich habe ich ein großartiges Stück gehört, „Glück auf“ von Joris – das finde ich fantastisch.
Auf dem Album spielen auch die Münchner Philharmoniker. Die muss man sich leisten können.
HOFFMANN Das begleitet mich ein Leben lang: frei sein, das aber auch bezahlen. Es sind aber nicht alle Philharmoniker, sondern nur einige von ihnen.
Sie arbeiten sehr regelmäßig – Album, Tournee, Album.  Ist Ihre Zeit sehr durchgetaktet?
HOFFMANN Ich bin ja frei und gerade deshalb brauche ich eine Struktur. Und die Arbeit ist halt mein Lebensmittel. Das neue Album ist noch nicht draußen, aber ich hätte schon Lust auf ein neues, ein griechisch getöntes Album. Es gibt einen Athener, der meine Musik dort aufnimmt und herausbringt – die klingt manchmal besser als meine eigenen Versionen.
Die Fragen stellte Tobias Keßler.
Klaus Hoffmann: Aquamarin
(erscheint am 12. Oktober.
Konzert: 13. November, Congresshalle Saarbrücken. Tickets an den bekannten Vorverkaufsstellen, an der Vorverkaufsstelle der Saarlandhalle und unter www.ccsaar.de.
Schwäbische Zeitung 23.09.2018:
Klaus Hoffmann liest im Alten Kloster Bad Saulgau
Berlin und die Gefahren Afghanistans
Während der Lesung aus seiner Biografie greift Klaus Hoffmann immer wieder zur Gitarre.
23. September 2018
Monika Fischer

Ein gemeinsames Projekt zwischen dem Musikfestival „tonkunst“und der Veranstaltungsreihe „Literatur in der Kleber Post“ hat den Besuchern einen hinreißenden Abend im Alten Kloster in Bad Saulgau beschert. Unter dem Titel „Als wenn es gar nichts wär“ las der vor allem als Liedermacher und Schauspieler bekannte Klaus Hoffmann aus seiner Autobiografie und dem ersten Roman „Afghana“.

Kaum hatte Klaus Hoffmann die Bühne erklommen, war klar: Hier hatte man keine trockene Autorenlesung zu erwarten. Sein Blick kreiste durch den mit Bildern und Skulpturen bestückten Lichthof – und schon hieß es Richtung Publikum: „Es muss Ihnen hier gut gehen. So viel Kunst habe ich noch nie in einer kleinen Stadt gesehen.“ Eine Spur Ironie? Jedenfalls auf Anhieb ein gelungener Draht zum Publikum. Die Lacher hatte er erneut auf seiner Seite, als er zu seiner in gebundener Form vorliegenden Biografie griff und augenzwinkernd verkündete: „Biografien ändern sich. Doch dies ist immerhin ein gutes Buch geworden.“ Koketterie auch dann, wenn er mit Blick auf seine Teenagerjahre feststellte: „Ich sah fantastisch aus – mit langen Haaren - war begabt, hatte alle Voraussetzungen, die man brauchte, um Karriere zu machen.“ Letzteres gelang ihm tatsächlich. So arbeitete er als Schauspieler mit bedeutenden Regisseuren wie Ingmar Bergmann, Boy Gobert oder Lucino Visconti und einer großen Zahl von Film- und Bühnenstars zusammen. Als Liedermacher füllte er die Konzertsäle und selbst als Autor mehrerer Bücher erntete er Erfolge. Wichtig waren Hoffmann die Kinder- und Jugendjahre im Berlin der Nachkriegszeit, denen er viel Textvolumen einräumte.

Klaus-Dieter, wie er eigentlich heißt, war Einzelkind und hing in besonderem Maße an seinem früh verstorbenen Vater. „Er war die Sonne in meinem Leben.“ Doch auch die Mutter bot ihm Halt. Sie liebte Schlager, etwa von Bata Illic, einem Sänger, bei dessen Erwähnung ein Raunen durchs Publikum ging. Offenbar war Illic manchen Zuhörern noch immer ein Begriff, ebenso wie die „Wochenschau“ im Kino der 60er- und 70er-Jahre oder die damalige Lust an Eierlikör und Erdbeerbowle.
Eingefügte Anekdoten

Immer wieder unterbrach Hoffmann seinen überaus lebendigen, von Mimik und Gestik begleiteten Lesevortrag, legte das Buch zur Seite und fügte Anekdoten, Erinnerungen oder Lebensweisheiten an. Dabei schimmerten Gefühle durch, Sehnsüchte und Anrührendes, etwa beim Tod des Vaters: „Vater war weg. Aber er war da. Immer.“ Häufig griff er zur Gitarre, um das Gesagte musikalisch zu unterstreichen. Seine Stimme füllte problemlos den Raum und zeigte das Timbre eines Chansonniers wie etwa Jacques Brel, für dessen Liedinterpretation er gerühmt wird.

Waren Schilderungen aus der Kindheit von gelegentlicher Melancholie geprägt, so spiegelten Berichte aus der Zeit des Erwachsenwerdens das Sturm- und Drang-Gefühl der 68er-Jahre wieder – häufig gewürzt mit einer guten Prise Humor. Am Ende seiner Lehrzeit als Großhandelskaufmann standen Reisepläne ins ferne Goa, das man in einem alten VW-Käfer erreichen wollte. Doch statt in Indien landeten er und ein Freund in Afghanistan – ein teilweise lebensgefährliches Abenteuer, das er in seinem Buch „Afghana“ beschrieb.

Nach einem Lesemarathon von über neunzig Minuten steuerte Hoffmann den Schluss der Vorstellung an. Mit seinem Chanson „Als wenn es gar nichts wär“, titelgleich mit seiner Autobiografie, ließ er Stationen und Emotionen seines Lebens nochmals Revue passieren. In Abänderung des Originaltexts endete das Lied jetzt mit den Zeilen: „Ich lebe jeden Tag, als wenn's der letzte wär – als wenn es gar nichts wär
Berliner Morgenpost 08. März 2018
Griechischer Abend mit Liedermacher Klaus Hoffmann
Der 65-jährige begeistert seine Fans in der Bar Jeder Vernunft
Berlin. Das Programm nähert sich bereits dem Ende. Da hat der Berliner Sänger Klaus Hoffmann, der mit seinem Programm "Leise Zeichen" gerade zurückgekehrt ist in die Bar jeder Vernunft, nach mehr als zwei Stunden voller bewegender Lieder und launiger Erzählungen eine späte Überraschung parat. Er bittet den griechischen Sänger Michail Sicas auf die Bühne und gemeinsam singen sie "Als wenn es gar nichts wär" und "Morjen Berlin". Der eine auf Deutsch, der andere auf Griechisch. Und durch die fremde Sprache entwickeln die Lieder ein völlig neues Eigenleben.

Sicas, der in der Schweiz lebende Sänger und Schauspieler, ist seit vielen Jahren ein großer Bewunderer von Klaus Hoffmann. Und ebenso lange beschäftigte ihn die Idee, Hoffmanns Lieder ins Griechische zu übertragen, was sich zunächst ob der so unterschiedlichen Sprachen als langwierige Unternehmung erwies. Im Herbst vergangenen Jahres aber nahm das ambitionierte Projekt Form an und mit "Se Arhaio Nero" veröffentlichte Michail Sicas ein Album mit 13 Hoffmann-Liedern voll mediterraner Melancholie, darunter auch "Blinde Katharina", das in seiner Version klingt, als wäre es schon immer ein Klassiker der griechischen Musik gewesen.

Warum er denn auf die Idee gekommen sei, ausgerechnet seine Lieder zu singen, will Hoffmann auf der Bühne wissen. Sicas antwortet, so wie für Hoffmann Jacques Brel zu einer Art Ziehvater geworden ist, sei Hoffmann für ihn, einen Vertreter der jüngeren Generation, zum großen Vorbild geworden. Bei "Als wenn es gar nichts wär" wechseln sie sich gegenseitig bei den Strophen ab, meistern es auch, den Refrain zweisprachig zu singen. Eine faszinierende Kombination. Mächtig braust Applaus auf für diese ungewöhnliche Einlage, von der so mancher im Publikum gern noch mehr gehört hätte. Im Alleingang lenkt Klaus Hoffmann, wie stets hochversiert begleitet von Pianist Hawo Bleich, den Abend Richtung Finale.

Hoffmann setzt gefühlvolle Passagen gegen komödiantische Elemente

Mit dem treibenden "So lang her", einer stakkatohaften Reminiszenz an die wilden Siebziger Jahre, hatte Hoffmann seine One-Man-Show eröffnet. Er erzählt viel vom Leben in Berlin, von seiner Jugend in den 50er-Jahren, vom Sturm und Drang der Sechziger - und vom Jacques Loussier-Konzert in der Berliner Philharmonie, stilecht untermalt von Pianist Hawo Bleich. Gern kokettiert der 65-Jährige mit seinem Alter, das man ihm natürlich längst nicht ansieht. Er plaudert pointiert, ironisch und in gespielter Schusseligkeit von den Zeiten, die seine Lieder geprägt haben.

Den "Kreuzberger Walzer" singt er und "Weil Du nicht bist wie alle andern", "Die Stadt hat heute dein Gesicht" und natürlich "Blinde Katharina". Aber auch "Lass mich bei dir sein" von Hildegard Knef, "Sie" von Charles Aznavour und "Amsterdam" und "Frida" von Jacques Brel. Dazu viele neue Lieder, wie das barjazzverliebte "Es regnet immer auf Sylt" und das sehnsuchtsvolle "Ich hätte so gern diesen Walzer mit ihr getanzt". Immer ist er ganz nah am Publikum, setzt geschickt gefühlvolle Passagen gegen komödiantische Elemente.

Das Publikum dankt mit regem Zwischenapplaus, singt bei manchen Refrains textsicher mit. Ein Vollblut-Entertainer, der es auch versteht, anfängliche Tücken der Bühnentechnik lässig ins Programm einzubinden. Und als sei das alles nicht genug, überrascht er dann auch noch mit Bühnengast Michail Sicas, allerdings nur an diesem Premierenabend. "Mein Weg" gibt es, fast schon traditionell, als allerletzte Zugabe. Noch bis zum Sonntag kann man Klaus Hoffmanns "Leise Zeichen" live in der Bar jeder Vernunft erleben.
Trierischer Volksfreund 13. Februar 2018: Klaus Hoffmann - Ich habe immer zwischen den Zeilen gelesen
Klaus Hoffmann singt, schauspielert und schreibt seit 50 Jahren. Ein Allroundkünstler mit gewaltigem Erfahrungsschatz.
Trier. Vor seinem Konzert in Trier erzählt der Sänger Klaus Hoffmann im TV-Interview von seinen Erinnerungen an die Moselstadt, von Berlin, vom Musikgeschäft und seinem Antrieb, immer weiter zu machen.
Von David Falkner
Sänger, Schauspieler, Buchautor – es gibt wenig, was der Berliner Klaus Hoffmann in seiner mehr als 40-jährigen Künstlerkarriere noch nicht gemacht hat. Bekannt ist der 67-Jährige vor allem für seine Chansons. Im Gespräch mit Redaktionsmitglied David Falkner gibt er Einblicke in seinen Schatz an Gedanken und Erinnerungen und wird dabei auch ein kleines bisschen sentimental.


Guten Tag! Von wo rufen Sie an? Aus Trier, ist das richtig?


Ja, richtig. Guten Tag, Herr Hoffmann.

Wissen Sie, welche wesentliche Erinnerung ich an Trier habe? Ich habe mir da mal einen tollen Wintermantel gekauft. Außerdem weiß ich, dass ich an einem Buch geschrieben habe, als ich das letzte Mal in Trier war. Ich saß in meinem Hotelzimmer, und da war so eine schöne, alte Wand. Die habe ich lange und gerne angesehen, und ja, daran erinnere ich mich.

Sie sind ja Ur-Berliner, Herr Hoffmann. Von Trier aus gesehen ist die deutsche Hauptstadt ziemlich weit weg. Was verbinden Sie denn noch so mit Trier außer alten Wänden und Wintermänteln?

Trier ist für mich vollmundig. Die Stadt liegt ja im Grenzgebiet zu Frankreich, und in solchen Grenzgebieten haben die Menschen immer eine besondere Mentalität. Auch wenn ich an die Europahalle denke, wo ich im März auftrete, dann ist das für mich durchaus mit Emotionen verbunden: Das ist ja kein Theater oder irgendeine Bühne, das ist ja ein riesiger Ort der Musik. Ich kann nicht sagen, dass ich alle Musik mag, die in solchen Hallen gespielt wird. Aber ich, als Sänger Klaus Hoffmann, schöpfe aus alten Liedern, und da passt mir die Europahalle mit ihrer Musikalität doch sehr gut.

Wie würden Sie Ihre eigene Musik denn beschreiben?

Der Chanson trägt mich, die Folkmusik und die amerikanischen Einflüsse. Immer Erzähler.

Ein wichtiges Thema Ihrer Musik ist Berlin. Was, denken Sie, macht die Hauptstadt für die Hörer interessant?

Den Zusammenhang zwischen Berlin und Städten wie Trier sehe ich in den Themen, die in allen Städten mehr oder weniger gleich sind. Wenn die Leute den Namen Berlin hören, dann denken viele an Touristen-Klischees, an volle Straßen und solche Sachen. Mir geht es aber um etwas Universelles, um das Gefühl, in der Stadt gefangen zu sein. Ich denke, ich mache es da ähnlich wie es beispielsweise Jac­ques Brel (belgischer Chansonsänger, die Red.) mit Paris gemacht hat: Er besingt die Stadt wie eine Frau. Und er bleibt der Liebende. Das Verändern, das Durch-Mauern-Gehen, darum geht es in meiner Musik. Da ist Berlin am Ende nur ein Beispiel, das gibt es auch anderswo.

„Leise Zeichen“ ist der Titel Ihrer aktuellen Tour. Ist das etwas, was Sie heutzutage betonen wollen? Leise Zeichen als Kontrapunkt zu unserer modernen Zeit, die oft als hektisch wahrgenommen wird, und in der es auch politisch wieder unruhiger geworden ist? Oder kommt das eher aus Ihnen selbst und hat wenig mit äußeren Einflüssen zu tun?

Es ist beides. Auf der einen Seite geht es um die gesellschaftliche Dimension, aber der Titel entspricht auch einfach meinem Charakter. Ich habe immer zwischen den Zeilen gelesen, und das machen die meisten Menschen, gerade momentan in dieser unruhigen Zeit, wo alle ziemlich verdeckt agieren und sich an die Realitäten anpassen.

Seit mehr als 40 Jahren stehen Sie auf Deutschlands Bühnen. Das ist natürlich auch ein gewaltiger Erinnerungsschatz. Was funktioniert im Musikgeschäft denn heute anders als früher?

In den 80er Jahren waren alle aufs Geld aus, allerdings sind sie das heute noch viel mehr. Aber damals war alles mehr menschenabhängig. Ich hatte Glück, ich traf viele Männer und Frauen, die mich weiterbrachten, die mich förderten. Die Leute wurden früher eher entdeckt. Heute, denke ich, werden die Künstler eher nur für kurze Zeit begleitet. Zudem habe ich das Gefühl, dass alle unter einem riesigen Druck arbeiten. Jeder sagt den Künstlern, wie sie zu sein haben und was sie zu tun haben, jeder weiß es besser als die Künstler selbst. Das ist doch enorm schwierig. Es war zu unserer Zeit auch so, man liebte aber mehr, man konnte sich das leisten, man flog ein bisschen höher. Nicht nur um der Kommerzialität willen. Also noch mal wollte ich das nicht machen – aber ich glaube, das stimmt nicht so, ich würde es immer wieder machen.

1975 ist Ihr erstes Album erschienen, seitdem kam alle zwei Jahre ein neues, und zwar ohne Pause. Ganz nebenbei haben Sie auch noch mehrere Bücher verfasst. Woher nehmen Sie diese Energie?

Das Schreiben ist für mich Lust und Frust, das ist die Art, wie ich mich äußere, ist ein wenig manisch. Das klingt jetzt ein wenig kokett, ist aber so. Mein Lebensmittel. Kunst eben, oder Kunststückchen, wie Franz Josef Degenhardt (deutscher Liedermacher, die Red.) es einmal von sich sagte. Aber ich vertreibe mir damit auch die Zeit. Ich erhalte mich so am Leben. Ich habe ja eigentlich als Schauspieler angefangen. Und will dahin auch wieder zurück, wenn das in meinem Alter noch funktioniert. Zu Beginn meiner Sängerkarriere habe ich manchmal das Gefühl gehabt, dass ich auch als Sänger eine Rolle spiele. Früher war mir in erster Linie wichtig, dass ich nicht irgendein Serienschauspieler werde. Heute denke ich, so eine Rolle als französischer Kommissar würde mir doch sehr gut stehen. Ich muss aber auch sagen: Das Sängerdasein erfüllt mich. Ich bin jetzt der Sänger, den ich mein Leben lang in mir gesucht habe. Mal sehen, was kommt.

Gibt es konkrete Pläne, zum Film zurückzukehren?

Nein, konkrete Pläne gibt es nicht. Ich habe vor Jahren für meinen Roman „Der Mann, der fliegen wollte“ ein Drehbuch geschrieben, aber das wollten die Produzenten nicht haben. Es war ein langer Ritt, und dann ließ ich es ruhen. Aber ich bin dabei, ich schreibe bald einen neuen Stoff. Ich halte die Augen auf.

Klaus Hoffmann singt im Rahmen seiner Tour „Leise Zeichen“ am Mittwoch, 14. März, 20 Uhr, in der Europahalle in Trier.

Karten für das Konzert gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199–996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets
Braunschweiger Zeitung 19.12.2017
Der Sänger Klaus Hoffmann trat im Staatstheater auf
"Der Mann mit der wunden Seele"
Von Ann-Claire Richter
Da stehen sie, jubeln, klatschen, toben und fordern ihn lautstark auf die Bühne zurück, obwohl die Rausschmeißer-Musik im Saal längst aufgedreht ist. Klaus Hoffmann hat ganze Arbeit geleistet. Das Publikum im Großen Haus des Staatstheaters will den Troubadour mit der immer noch so wund scheinenden Seele nicht ziehen lassen, kann nicht genug bekommen von diesem Mann, der sich so nahbar, so verletzlich zeigt und seine Befindlichkeiten in wunderbare Worte kleiden kann. Der so kluge Zeilen schreibt wie „Nur weil ich vermute, dass ich sehend bin, brauch ich doch nichts erkennen“ und der sich über sein Publikum ebenso lustig macht wie über sich selbst.
Ein Hoffmann-Konzert ist ein Abend der Kontraste. Laut, leise, poetisch, brachial. Diesen einen Abend in Braunschweig widmet er Gerlinde, die eigentlich Annagerlinde heißt und die er schon vor Jahrzehnten in seinem Lied „Gerda“ verewigt hat. Anna-Gerda-Gerlinde Dodenhoff, die kluge Studienfreundin aus der Schauspielschule, die später Wolfgang Gropper heiratete, der später Theaterintendant in Braunschweig wurde. Er starb im vergangenen Jahr. Hoffmann weiß auch nach einem anstrengenden Tournee-Marathon genau, in welcher Stadt er sich befindet.
Es ist der zunächst letzte Abend der „Leise Töne“-Tour durchs Land. Noch einmal alles geben, alle Kräfte mobilisieren, weil die etwas verhaltenen Braunschweiger aus der Reserve gelockt werden wollen. Doch Hoffmann ackert vorbildlich. Das Programm ist eine ausgewogene Mixtur aus alten Songs und neuen. Gauklerisch verleimt durch seine so eigenwilligen Text-Überleitungen. Manchmal nur Satzfetzen, die wie Seufzer klingen. Ach ja, damals. Als alles so verwirrend und aufregend war. Als alle anderen so clever und politisch waren und er so naiv und ungebildet. „Mein Weg ist mein Weg ist mein Weg“ wird er ganz am Ende singen. Klaus Hoffmann, der unruhige Zweifler, der sich letztlich doch als recht unbeirrbar erwiesen hat.
Dabei ist er Schauspieler durch und durch. Erzählt seit so vielen Jahren, so vielen Abenden die immergleichen Geschichten, als wär’s das erste Mal. Und trifft damit offenbar immer noch den Nerv, mitten hinein in die – vielleicht auch wunden – Seelen seiner Zuhörer. Gefühlig, pathetisch, selbstmitleidig. Er, „der alte Sack“, dem die 66 Jahre in die Knochen gefahren sind. Manchmal schleicht er wie ein Greis, um Sekunden später wie ein Jüngling über die Bühne zu tänzeln.
Auf Klaus Hoffmann ist Verlass: Seine Themen sind und bleiben die schweren und doch so verheißungsvollen Nachkriegszeiten, Aufbruch und Sinnsuche, Liebe und Scheitern – und immer auch Berlin. Er besingt die großen Gefühle und den Dauerregen auf Sylt und verzweifelt, weil die Braunschweiger bei „Derselbe Mond über Berlin“ zu wenig Traute zum Mitsingen zeigen. Wohl denen, die textsicher sind, denn Hoffmann neigt zum Nuscheln.
Ihm zur Seite am Klavier: der treue Begleiter Hawo Bleich. Ein großartiger Pianist, der an technischem Gerät auch dezente Sounds zaubert. Das ist mehr als Lückenbüßerei. Ein gefühliger, schöner Abend, der für nachhaltige Erinnerungen taugt.
Kölnische Rundschau: "Raus aus der Komfortzone"
"Leise Zeichen" im Gloria: Klaus Hoffmann lässt sein musikalisches Leben Revue passieren
von Barbro Schuchardt
Da steht der 17-jährige mit der Schlaghose und der Gitarre vor der Berliner Szenekneipe und bittet ": Ich möchte bei euch singen!". Mit nichts als "Knef und die Internationale im Gepäck". Und der ruppige Typ vom Club lässt ihn. Jetzt weiß Klaus-Dieter Hoffmann, der Kaufmanns-Lehrling aus bescheidenen Verhältnissen: "Wenn ich's hier schaff, schaff ich's überall"! Nur den "Dieer" will er unbedingt loswerden und nur noch der Klaus sein.
Am Sonntagabend nahm der 66-jährige Sänger, Schauspieler und Romanautor sein Publikum im ausverkauften Gloria unter dem Motto "Leise Zeichen" mit auf eine Reise durch sein Leben. Erinnerungen, in denen sich viele im Publikum wiederfinden. Lieder zum leisen Mitsingen, zum Träumen, über die Liebe ("Weil du nicht bist wie alle andern", Es ist der selbe Mond").
Hoffmann erzählt von der unvergesslichen Reise nach Afghanistan 1969, als "eine ganze Hippie-Generation auf der Flucht war". Manchmal wünscht er sich diese Zeit des Aufbruchs und der Sinnsuche zurück. "noch mal raus aus der Komfortzone". Doch wie die meisten seiner Generation ist er etabliert, die Vergangenheit romantisch verklärt.
Der Berliner, am Piano einfühlsam begleitet von Hawo Bleich, findet in jeder Minute seines wunderbaren Konzerts den richtigen Ron zwischen Gefühl und sanftem Revoluzzertum, garniert mit selbstironischen Glanzlichtern. Natürlich durften Lieder von Jacques Brel ("Amsterdam", "Ne me quitte pas", "Ces gens-la") und Charles Aznavour ("Les deux guitarres", "Tous les visages des l'amour") - alle auf Deutsch - nicht fehlen bei diesem französischsten aller deutschen Sänger. Großartig, wie sich hier Zartheit mit Agression, Trauer mit Nostalgie verbindet!
Das begeisterte Publikum ließ die beiden Musiker auch nach zweieinhalb Stunden kaum von der Bühne gehen. Und man hatte das Gefühl, auch sie selber würden am liebsten noch lange so weiter machen.
Ein Trost für alle, die dieses "Kammerkonzert" verpasst haben: Am 14.11.2018 kommt Klaus Hoffmann mit seiner Band in die Philharmonie. Und das Live-Album "Glaube Liebe Hoffmann" mit einer Aufzeichnung aus dem Berliner Friedrichstadt-Palast (auf drei CDs plus DVD!) gibt es schon jetzt.
Helmstedter Nachrichten, 02.11.17:
"Leise Lieder klingen diesmal wie Choräle"
Klaus Hoffmann singt zum Abschluss des Luther-Spektakels im Kaiserdom
Königslutter. Ein ganz besonderer Gast war am Reformationstag zum Luther-Spektakel im Kaiserdom zu Königslutter: Klaus Hoffmann, Liedermacher, Schauspieler, Autor - ein Star der Chansonniers.
Unser Leser Horst Schwirz aus Helmstedt schrieb uns nachher: "Ich weiß nicht, wie es Pröpstin Martina Helmer Pham Xuan gemacht hat, aber Klaus Hoffmann zum Reformationsjubiläum in den Kaiserdom zu holen, um mit ihm über die Kirche, die Reformation und das Leben zu sprechen, war schon etwas ganz Besonderes."
Klaus Hoffmann erzählte aus seinem bewegten Leben. Seine Reise nach Afghanistan berührt - es ist so, als hole einen die Geschichte immer wieder ein. "Krieg und Zerstörung ist immer gegenwärtig, auch heute noch", sagt er dem Publikum. Die Pröpstin stellte Fragen auch zum Thema Kirche: "Was müssen wir als Kirche tun, um wieder attraktiver zu werden?" "Na, Gott ist schon mal da", erwiderte Hoffmann. Da, wo es um die wichtigen Dinge im Leben geht, reichen wenige Worte. So auch auf die Frage, was er der Jugend rät: "Macht die gleichen Fehler wie wir, aber sprecht mit uns darüber!"
Dann aber spielte Klaus Hoffmann seine Lieder, eigentlich als "Leise Zeichen" deklariert. Doch in dieser "heiligen Kirche", dem Dom zu Königslutter, klangen sie wie Choräle. Der Nachhall erzeugte eine eigene Stimmung, die selbst Hoffmann beeindruckte. red
Hans Ulrich Pönack auf seiner Website
www.poenack.de
MUSIK: Begleite IHN seit Jahrzehnten. Von den ganz kleinen Berlin-Charlottenburger Anfängen, im "Steve Club" beispielsweise oder im "GO IN", bis jetzt zu den ganz große zweijährigen Dezember-Auftritten im Friedrichstadt-Palast Berlin: KLAUS HOFFMANN. Habe alle CDs von ihm, er besingt meine Seele. Von einst, gestern und heute. Klaus Hoffmann, der wunderbare Sänger, Entertainer und Balladen-Troubadour. Mit seiner ebenfalls begnadet-passenden Band. Am 12. Dezember letzten Jahres gastierten sie mal wieder im Mitte-Palast, und jetzt gibt es von diesem einmal mehr herrlichen, stimmungs-intensiven Abend eine gleich Dreifach-CD plus einer 149moinütigen DVD mit dem gesamten Konzert. Titel: GLAUBE LIEBE HOFFNUNG. Davon mag ich derzeit gar nicht genug hören. Und sehen.
Klaus, DANKE, Du rettest mich durch diese düsteren Zeiten. Und wie es stimmt: "Jedes Kind braucht einen Engel".
Tagesspiegel Berlin, Sonnabend, 7. Oktober 2017, Stadtleben
Stadtmenschen:
Ja, das war zweifellos ein legendäres Konzert. Chansonnier und Liedermacher Klaus Hoffmann plauderte und sang im Dezember 2016 mal wieder auf einer der wirklich großen Bühnen der Stadt: Im Friedrichstadtpalast feierte er vor fast ausverkauftem Haus seinen 65. Geburtstag, sein 40-jähriges Bühnenjubiläum und zugleich die Premiere seines Programms "Leise Zeichen". Und nun ist ein kompletter Mitschnitt dieses Auftritts mit Hawo Bleich am Piano & Band auf drei CDs plus DVD in einer schönen handlichen Box erschienen. Titel: "Glaube, Liebe, Hoffmann". Das passt gut zu seinen Fans. Schließlich gelingt es nur wenigen Künstlern, über Jahrzehnte von ihrem Publikum geliebt zu werden. Hoffmann schafft das - aber wie?
Er erzählt in seinen Liedern viel vom eigenen Leben, streift dabei in vielen Dingen auch die Erinnerung all seiner Getreuen 50 plus, mit denen er älter geworden ist. Un er brennt noch immer für seine Sache, bleibt sich treu - seiner Lebensfreude, Melancholie, seinem ironischen Witz und seiner Liebe zu Berlin. "Du machst mich immer noch verrückt", singt er. Es ist Hoffmanns Liebeserklärung an die Stadt und an sein Zuhause im idyllischen Kladow zwischen Havel und Groß-Glienicker See.
Wen wunderts also, daß man den Unermüdlichen bald wieder live mit seinen "Leisen Zeichen" erleben kann, vom 13. bis zum 15. Oktober in der Bar Jeder Vernunft. Mit Oldies wie dem "Kreuzberger Walzer" oder "Blinde Katharina", aber auch mit neuen Chanosns wie "Du bist die Hoffnung". Alles Lieder gegen die allgegenwärtige Großmäuligkeit, für ein menschliches Miteinander. "Leise Zeichen" eben, die aus der Versenkung des Herzens auftauchen - entdeckt im Vergangenen und in der Gegenwart. CS
Thüringer Allgemeine, 20. Juni 2017: "Weimarer Spiegelzelt: Klaus Hoffmann setzt leise Zeichen"
Selbstironisch, empfindsam, persönlich: Klaus Hoffmann setzt im Weimarer Spiegelzelt leise Zeichen.
Weimarer Spiegelzelt: Klaus Hoffmann setzt leise Zeichen

Selbstironisch, empfindsam, persönlich: Klaus Hoffmann setzt im Weimarer Spiegelzelt leise Zeichen

Klaus Hoffmann setzt rückblickend leise Zeichen, erzählt und singt von seinem Leben

Weimar. Sie ist spürbar, die Welle der Sympathie seiner Fans im Weimarer Spiegelzelt, noch bevor Klaus Hoffmann die Bühne betritt. Als er dann kommt, der Chansonnier, der sich Jacques Brel als Vorbild gewählt hat, der Schauspieler, der sich 1976 in der Plenzdorf-Verfilmung „Die neuen Leiden des jungen W.“ einen Namen gemacht hat, sind Respekt und Vorfreude groß.

Klaus Hoffmann setzt rückblickend leise Zeichen, erzählt und singt von seinem Leben. Vom Berlin der Clubs, wo seine Karriere begann. Von der Liebe, von der ersten, die ihn mit einer Distel verdrosch, von späteren, traurigen, „Es regnet immer auf Sylt“, von der großen, die er kitschfrei besingt: „Weil du nicht bist wie die anderen“. Er setzt seine leisen Zeichen auch den lauten Zeiten eines großmäuligen Donald Trumps entgegen, erzählt von den 70er Jahren, als er Rebell sein wollte, von seinem Aufbruch in die Welt, der nach Kabul führte, „Bin ein Fremder“. Und auch vorausschauend setzt er leise Zeichen, wenn er empfindsam über das Altern nachdenkt. Sein ganz persönliches Credo hat er dabei wohl längst gefunden: „Glaube, Liebe, Hoffmann“.

Klaus Hoffmann live ist Gefühl und Wiedererkennen. Er findet für sein Inneres treffende Worte, singt von Dingen, die jeder erlebt hat. Er entrollt Bilder über die Suche nach sich selbst, weiß um die Wirkung seiner Gesten und Mimik. Er verneigt sich vor Brel, singt für seine verstorbene Mutter „Bitte geh‘ nicht fort“, interpretiert „Amsterdam“ und „Ces gens-là“, das bei ihm „So sind hier die Leute“ heißt. Witzig und selbstironisch erzählt er von früher, seine Liedtexte unterfüttern die Erinnerungen poetisch mit Sehnsucht und Ehrlichkeit. Die improvisierten Überleitungen seines Pianisten Hawo Bleich zeugen von einer gegenseitigen Harmonie, die schnell aufs Publikum übergreift. Beklagt Hoffmann zu Beginn das Mitsingen noch als „schütter“, nimmt es zwischendurch gehörig an Fahrt auf und wird bei „Derselbe Mond über Berlin“ gar zum „krachenden“ Chor. „Seid ihr noch da“ fragt er oft ins Publikum, dabei ist er selber nach über 40 Jahren im Musikgeschäft so präsent wie nie.

Stefanie Grießbach / 20.06.17
Thüringer Allgemeine, 14. Juni 2017: "Ich wollte immer ein Hippie sein"
Liedermacher Klaus Hoffmann über seine neuen Songs, seine Karriere und frühe Rolle als Aussteiger in "die neuen Leiden des jungen W."
15. Juni 2017 / 01:51 Uhr
In Weimar ist Klaus Hoffmann am Sonntag als Sänger zu erleben. Er würde aber auch gern wieder auf der Theaterbühne stehen oder in einem Film mitwirken, verrät er im Interview. Foto: Britta Pedersen
In Weimar ist Klaus Hoffmann am Sonntag als Sänger zu erleben. Er würde aber auch gern wieder auf der Theaterbühne stehen oder in einem Film mitwirken, verrät er im Interview. Foto: Britta Pedersen

Weimar. Am Sonntag ist der Liedermacher und Schauspieler Klaus Hoffmann im Weimarer Spiegelzelt zu erleben. „Leise Zeichen“ heißt sein neues Programm. Hawo Bleich wird ihn am Klavier begleiten. Die 16 Lieder auf der gleichnamigen CD erzählen Geschichten und Träume aus Hoffmanns Leben. Sie bieten auch eine poetische Rückschau, die selbstironische Töne einschließt: „70er Jahre, lange Haare / Wickelrock und Tupperware / Flowerpower, Kerouac / Hatha Yoga, La Boheme und Nudelsalat / manchmal etwas LSD“, heißt es in „So lang her“. Wir sprachen mit dem Sänger darüber.

Herr Hoffmann, Sie setzen leise Zeichen – Zeichen der Poesie, der Hoffnung, der Liebe – gegen eine lärmende Welt. Werden sie erhört?
Von denen, die zu uns ins Konzert kommen, schon. Aber die wissen ja auch, was sie erwartet. Trotzdem, leise Zeichen habe ich eigentlich zu allen Zeiten gesetzt. Meine Lieder waren nie sehr laut.
Die Zeiten ändern sich. In was für einer Zeit singen Sie jetzt?
Ich bin kein Seher. Aber ich habe das Gefühl, dass wir einen Umbruch erleben. Man sieht es in Frankreich. Oder in den USA. Man weiß, dieser Trump ist völlig daneben, und trotzdem kostet es große Mühe, ihn abzulösen. Vielleicht wird er sich bald selbst abschaffen. Wir leben in einer Zeit radikaler Widersprüche. Zum Glück gibt es, so mein Eindruck, eine Mehrheit, die nicht verblödet ist.
Manche Lieder der neuen CD muten sehr persönlich an. Sie erzählen von Ihrer Kindheit, von den Hippie-Jahren...
Ich erzähle von mir, wenn auch nicht alles. Im Grunde haben fast alle meine Lieder mit meiner Lebensgeschichte zu tun. Ich bin aber kein Besserwisser. Lieder sollten nach Möglichkeit immer persönlich sein, das haben mich meine Vorbilder Bob Dylan und Jacques Brel gelehrt. Sie haben sich auch nie davor gedrückt, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Im Booklet sind die Songs datiert. Offenbar ist von März bis Mai die produktivste Zeit für den Liedermacher Klaus Hoffmann.
Ach ja? Das ist noch niemandem aufgefallen. Aber stimmt, es gibt so Stromzeiten... Dennoch, Typen wie ich schreiben immer.
In dem Song „So lang her“, der ein bisschen an Hannes Wader erinnert, streifen Sie die späten 60er-Jahre im Schnelldurchlauf. Das hätte ich mir gern ein bisschen ausführlicher gewünscht... Waren Sie ein Hippie?
Ich wollte immer einer sein. Aber ich war zu gut erzogen. Nachdem ich in Afghanistan gewesen war, war ich ja nur mit Hippies unterwegs. Wobei das eher abgetörnt hat. Ich hatte noch nie so viele Hippies erlebt, die von Geld redeten. Aber diese Idealvorstellung, von der Henry Miller und Charles Bukowski schrieben, die Zeit der New Yorker Beginnings, als Dylan begann, Songs mit politischen Aussagen zu machen, da wäre ich gern mit dabei gewesen. Was mir an Deutschland nicht gefallen hat, war, dass die Hippie-Bewegung zu wenig als politische Bewegung wahrgenommen wurde.
Sie waren mit 17 in Afghanistan. Haben denn Ihre Eltern Sie einfach ziehen lassen?
Sie mussten. Ich lebte ja mit meiner Mutter, meinem Stiefvater und Stiefbruder sehr beengt und wollte schon mit 16 da raus. Als Lehrling bin ich fast jede Nacht in die Clubs abgetaucht, das war die beste Ausbildung für mich. Da gab es die Stand-up-Comedys und viel Poesie auf der Bühne. Allen Ginsberg, die Folkbewegung aus Amerika. Aus Frankreich Brel und Aznavour. Im Grunde habe ich in den Clubs all das gelernt, was ich heute noch mache. Blöderweise mach‘ ich es heute besser.
Wieso blöderweise?
Meine ersten Lieder waren ziemlich kryptisch, und ich habe sie bald nicht mehr gemocht. Heute stelle ich erstaunt fest, dass es vielleicht die besseren Lieder waren, weil sie von so einem jungen Typen, der ich damals war, einfach in die Welt geschleudert wurden. Später war ich bemüht, diese unbeschwerte Ausdrucksfähigkeit wiederzufinden.
Das Ursprüngliche, Naive und Authentische?
Genau.
Apropos junger Typ: 1976 haben Sie in der ARD-Verfilmung von Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“ den Aussteiger Edgar Wibeau gespielt. Wir haben damals als Abiturienten das Stück am Deutschen Theater in Ostberlin gesehen. Das war für uns ein DDR-Stück. wie haben Sie sich als Westdeutscher in die Rolle hinein gefunden?
Das war nie ein Problem für mich. Erstens bin ich im geteilten Berlin aufgewachsen und war immer mit dem halben Herzen im Osten, wo viele Verwandte lebten, in Kaulsdorf, einem Berliner Vorort. Für mich ging es da nicht um Ost und West, sondern um eine Hose, die legendäre Bluejeans. Die hat doch für die Jugendlichen in beiden Teilen der Stadt im Grunde dieselbe Rolle gespielt: als Symbol der Freiheit und Selbstbestimmtheit. Nur, viele Ostdeutsche hatten ein Problem mit mir, weil sie die Rolle des Edgar Wibeau nicht von einem Westler gespielt haben wollten. Das sind ähnliche Dogmen, wie sie auch schon im Film vorkommen. Wie gesagt, es ging um eine Hose, es ging um die Jeans und um die Auflösung eines Dogmas. Das funktionierte grenzüberschreitend, ging von Ost nach West.
Und ging sogar noch weiter bis nach Fernost.
Inwiefern?
Ich habe 1989, als die Berliner Mauer fiel, in China Deutsch unterrichtet und an der Nanjing-Universität eine Videokassette mit besagtem Film gefunden, in dem Sie die Hauptrolle spielen. Es war kurz nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, und ich habe überlegt, kannst du „Die neuen Leiden des jungen W.“ mit den chinesischen Studenten anschauen und diskutieren.
Und? Haben Sie den Film gezeigt?
Ja. Natürlich kapitelweise, denn ich musste viel erklären. Aber sie haben es angenommen, denn den Konflikt kannten sie. Sie sagten, ihre Eltern redeten nicht über Politik, sie würden vom Staat bevormundet und sobald sie ausscherten, würden sie bestraft.
Wie viele Leute waren denn da im Raum?
Die Seminargruppe bestand aus vielleicht zehn, zwölf Studenten. Und alle haben sich mit Edgar Wibeau, also dem jungen Klaus Hoffmann, identifiziert.
Das hat auch Uli Plenzdorf, mit dem ich befreundet war, mal zu mir gesagt: Im Grunde lag ich da drauf. Ich kannte natürlich Sallingers „Der Fänger im Roggen“, das war unsere Bibel gewesen. Ich war der Typ, der loszieht, um sich selbst zu finden.
Wenn man Ihre Vita liest, reiht sich da eine CD-Aufnahme an die andere, folgt ein Tournee-Erfolg dem anderen. Waren Sie jemals in einer Schaffenskrise?
Oh, vielleicht ist das ja alles in einem eine Krise.
Wie meinen Sie das? Weil alles zu perfekt läuft?
Womöglich steckst du in der Krise, wenn du dich bemühst, keine zu bekommen. Nein, dazu kann ich, ohne zu kokettieren, gar nichts sagen. Das Liedermachen ist für mich nicht nur Zeitvertreib, es ist mein Lebensinhalt. Und es hat mich immer wieder befreit. Aber ich würde auch gern wieder drehen, also spielen.
Sie haben sehr früh schon Schauspielerlorbeeren eingeheimst. Warum hat sich letztlich der Sänger in Ihnen durchgesetzt?
So habe ich es selber bestimmt. Das war auch richtig, doch ich blicke immer mit einem Auge auf die Drehbücher, die ich nicht bekomme. Ich wäre heute froh, wenn ich wieder drehen könnte. Doch es muss eine Geschichte sein, in der ich mich richtig zu Hause fühle. Sonst kann es ja auch ein anderer machen.
Frank Quilitzsch / 15.06.17
Antje Amoneit schreibt in der Landeszeitung Lüneburg: Der Optimismus ist geblieben - Der Liedermacher Klaus Hoffmann auf Gut Bardenhagen
"Optimismus leitet ihn, 'trotz Hass und Krieg', er besingt das Gute an einer Aufbruchstimmung, an Abenteuern, am süßen Leben...".

"Ansteckend ist Klaus Hoffmanns Einstellung, ist sein Gesang, der Kitsch zu meiden sucht, auch durch sein drängendes, mitreißendes Gitarrenspiel, das große Steigerungen mitmacht."
Die Welt Hamburg, 21. Dezember 2016:
Lieder gegen das Grauen - Klaus Hoffmann träumt in der Laeiszhalle von der Hoffnung und setzt "Leise Zeichen"
Chansons und Balladen voller Poesie: Klaus Hofmann
Von Helmut Peters
Es gehört schon Mut dazu, in einer unruhigen Zeit voller Hass und Terror wie dieser noch immer so sentimentale Lieder zu singen. Gerade ist Klaus Hoffmanns neues, einfühlsames Album "Leise Zeichen" erschienen und der 65-jährige Berliner Barde tourt damit durch Deutschland.

Gespenstisch: Ohne es ahnen zu können, trat Hoffmann zur Zeit des Terroranschlags an der Berliner Gedächtniskirche am Montag mit seinem Gitarristen Michael Brandt, dem Bassisten Peter Keiser, dem Pianisten Hawo Bleich und dem Schlagzeuger Stephan Genze in der Laeiszhalle auf. Das Thema des Abends (und des Albums) war kurz gefasst die Liebe, die Hoffnung und der Umgang mit Erinnerungen an eine alte, vermeintlich bessere Zeit.

War es wirklich alles rosiger, damals als man jung war? Hoffmann stellt diese Frage gar nicht so, aber er bekennt sich zum Träumen. Heute wie damals, als er 18 war und die Welt durch eine rosarote Brille sehen wollte. Aus den Liedern von "Leise Zeichen" spricht der tiefe Wunsch, das Unverbrauchte der Jugend, das hoffnungsvoll in die Zukunft Blickende auf irgendeine Weise zurückzugewinnen. Die fünf gesetzten Herren in dunklen Sakkos, die in zwei Dutzend Liedern dieses Ziel musikalisch umreißen, stehen zu ihrem Alter.

Der Komponist und Liedermacher Hoffmann holt Charles Aznavour und Jacques Brel aus der Mottenkiste und will auch seine eigenen Lieder nicht krampfhaft einem neuen Zeitgeist anpassen. Es sind Chansons und Balladen voller Poesie, manchmal rührselig, aber stets gut getextet und mit einem roten Faden versehen, den man in jedem Song mit Spannung verfolgt. Hoffmann ist eben auch ein Geschichtenerzähler, was er in der Laeiszhalle erneut bewies. Er erzählt aus seinem Leben, vom ersten Auftritt, bei dem er Hildegard Knef gecovert und ein selbst gemachtes Lied präsentiert hat. Er berichtet von Liebschaften, Reisen und Erlebnissen, die sich mit den Inhalten des dramaturgisch geschickt gebauten Programms dann wundersam verbinden. Die Moderationen und Zwischentexte des Sängers sind allerdings alles andere als spontan. Es sind einstudierte, an jedem Aufführungsort erneut abgespulte Texte, die die Publikumsreaktionen einkalkulieren und kaum den Augenblick eines direkten Dialogs nutzen.

Mit dem neuen Lied "Lalala", in dem Hoffmann der ganzen Träumerei mit einem lässigen Schulterzucken und dem Refrain "Ich sing nur lalala" begegnet, begann der Abend. Bildhafter war der Song "Die Stadt hat heute dein Gesicht", in dem gesagt wird, dass wir unsere Welt immer mit unseren Augen sehen sollen und dass wir möglichst hineinprojizieren, was uns innerlich bewegt. Für Hoffmann sind Armut und Entbehrungen, Kummer und Sorgen stets so weit erträglich, wie sie unsere Hoffnungen nicht zerstören. Er kokettiert mit dem eigenen Alter und seinen Schwächen und rät: "Wenn du die Fenster aufmachst, musst du dich schön machen".

Seine Stimme und seine Art zu declamieren vermitteln bei alldem Geborgenheit. Viele Paare im Publikum haben sich bei den ruhigeren Liedern aneinandergeschmiegt und die Augen geschlossen. Hoffmann kann trösten. Er will dem Grauen der Gegenwart etwas entgegensetzen - und weiß doch, wie schwer es sein dürfte, mit Träumen allein diesen Herausforderungen standzuhalten. "Glaube - Liebe - Hoffmann", so lautet seine Formel, auch wenn manche darin eine etwas überzogene Egomanie wittern.

In seinen Erinnerungen an die 68er, an Latzhosen, Hippies und lange Haare spielt auch die eigene Mutter eine Rolle. Den Brel-Song "Geh nicht fort von mir" bezieht er auf sie und rührt zu Herzen. Ja, Rührung. Oft wird die sentimentale, fast weinerliche Stimmlage des Sängers etwas anstrengend und man könnte ihm berühmte Frage, wo denn eigentlich das Positive bleibe, vor Augen halten, mit der sich Erich Kästner schon herumschlagen durfte. Die Antwort "Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt" ist aktueller denn je.

Auf der anderen Seite überfordert Hoffmann sein Publikum auch nicht mit Endlosschleifen. Seine Songs, auch seine Moderationen, sind extrem kurz, manche währen nur gut zwei Minuten. Und der Entertainer beherrscht es, Stimmungen zu steuern. Mit leicht heiserer Stimme und einem kalkulierten Stocken im Vortrag sang er Hildegard Knefs Klassiker "Lass mich bei Dir sein, wenn dein Lächeln mich umarmt...".

Ein geschickter Schachzug waren in der ohnehin fantasievoll arrangierten Musik der fünfköpfigen Band kleine Anleihen beim großen Johann Sebastian Bach. Aus den Inventionen und Präludien mixte sich der Pianist Hawo Bleich etwas Eigenes. Auch wenn das Material gleich verjazzt und verrockt wurde, litt die geniale Polyphonie keinen Deut darunter. Klar, dass ein schneller Walzer bei dem Song "Ich hätt so gern diesen Walzer mit ihr getanzt" unverzichtbar war. Für Hoffmann, der am Ende sein Sakko auszog, war es natürlich klar, dass er auf gar keinen Fall versucht, dazu auch noch zu tanzen. "Wahrscheinlich wachse ich noch", witzelte er, "denn es knackt in den Knochen. Einen Hüftschwung probier ich erst gar nicht". Man muss sich halt den Gegebenheiten anpassen und mit 65 Jahren eben etwas "leisere Zeichen" setzen.