Schwäbische Zeitung 23.09.2018:
Klaus Hoffmann liest im Alten Kloster Bad Saulgau
Berlin und die Gefahren Afghanistans
Während der Lesung aus seiner Biografie greift Klaus Hoffmann immer wieder zur Gitarre.
23. September 2018
Monika Fischer

Ein gemeinsames Projekt zwischen dem Musikfestival „tonkunst“und der Veranstaltungsreihe „Literatur in der Kleber Post“ hat den Besuchern einen hinreißenden Abend im Alten Kloster in Bad Saulgau beschert. Unter dem Titel „Als wenn es gar nichts wär“ las der vor allem als Liedermacher und Schauspieler bekannte Klaus Hoffmann aus seiner Autobiografie und dem ersten Roman „Afghana“.

Kaum hatte Klaus Hoffmann die Bühne erklommen, war klar: Hier hatte man keine trockene Autorenlesung zu erwarten. Sein Blick kreiste durch den mit Bildern und Skulpturen bestückten Lichthof – und schon hieß es Richtung Publikum: „Es muss Ihnen hier gut gehen. So viel Kunst habe ich noch nie in einer kleinen Stadt gesehen.“ Eine Spur Ironie? Jedenfalls auf Anhieb ein gelungener Draht zum Publikum. Die Lacher hatte er erneut auf seiner Seite, als er zu seiner in gebundener Form vorliegenden Biografie griff und augenzwinkernd verkündete: „Biografien ändern sich. Doch dies ist immerhin ein gutes Buch geworden.“ Koketterie auch dann, wenn er mit Blick auf seine Teenagerjahre feststellte: „Ich sah fantastisch aus – mit langen Haaren - war begabt, hatte alle Voraussetzungen, die man brauchte, um Karriere zu machen.“ Letzteres gelang ihm tatsächlich. So arbeitete er als Schauspieler mit bedeutenden Regisseuren wie Ingmar Bergmann, Boy Gobert oder Lucino Visconti und einer großen Zahl von Film- und Bühnenstars zusammen. Als Liedermacher füllte er die Konzertsäle und selbst als Autor mehrerer Bücher erntete er Erfolge. Wichtig waren Hoffmann die Kinder- und Jugendjahre im Berlin der Nachkriegszeit, denen er viel Textvolumen einräumte.

Klaus-Dieter, wie er eigentlich heißt, war Einzelkind und hing in besonderem Maße an seinem früh verstorbenen Vater. „Er war die Sonne in meinem Leben.“ Doch auch die Mutter bot ihm Halt. Sie liebte Schlager, etwa von Bata Illic, einem Sänger, bei dessen Erwähnung ein Raunen durchs Publikum ging. Offenbar war Illic manchen Zuhörern noch immer ein Begriff, ebenso wie die „Wochenschau“ im Kino der 60er- und 70er-Jahre oder die damalige Lust an Eierlikör und Erdbeerbowle.
Eingefügte Anekdoten

Immer wieder unterbrach Hoffmann seinen überaus lebendigen, von Mimik und Gestik begleiteten Lesevortrag, legte das Buch zur Seite und fügte Anekdoten, Erinnerungen oder Lebensweisheiten an. Dabei schimmerten Gefühle durch, Sehnsüchte und Anrührendes, etwa beim Tod des Vaters: „Vater war weg. Aber er war da. Immer.“ Häufig griff er zur Gitarre, um das Gesagte musikalisch zu unterstreichen. Seine Stimme füllte problemlos den Raum und zeigte das Timbre eines Chansonniers wie etwa Jacques Brel, für dessen Liedinterpretation er gerühmt wird.

Waren Schilderungen aus der Kindheit von gelegentlicher Melancholie geprägt, so spiegelten Berichte aus der Zeit des Erwachsenwerdens das Sturm- und Drang-Gefühl der 68er-Jahre wieder – häufig gewürzt mit einer guten Prise Humor. Am Ende seiner Lehrzeit als Großhandelskaufmann standen Reisepläne ins ferne Goa, das man in einem alten VW-Käfer erreichen wollte. Doch statt in Indien landeten er und ein Freund in Afghanistan – ein teilweise lebensgefährliches Abenteuer, das er in seinem Buch „Afghana“ beschrieb.

Nach einem Lesemarathon von über neunzig Minuten steuerte Hoffmann den Schluss der Vorstellung an. Mit seinem Chanson „Als wenn es gar nichts wär“, titelgleich mit seiner Autobiografie, ließ er Stationen und Emotionen seines Lebens nochmals Revue passieren. In Abänderung des Originaltexts endete das Lied jetzt mit den Zeilen: „Ich lebe jeden Tag, als wenn's der letzte wär – als wenn es gar nichts wär
Berliner Morgenpost 08. März 2018
Griechischer Abend mit Liedermacher Klaus Hoffmann
Der 65-jährige begeistert seine Fans in der Bar Jeder Vernunft
Berlin. Das Programm nähert sich bereits dem Ende. Da hat der Berliner Sänger Klaus Hoffmann, der mit seinem Programm "Leise Zeichen" gerade zurückgekehrt ist in die Bar jeder Vernunft, nach mehr als zwei Stunden voller bewegender Lieder und launiger Erzählungen eine späte Überraschung parat. Er bittet den griechischen Sänger Michail Sicas auf die Bühne und gemeinsam singen sie "Als wenn es gar nichts wär" und "Morjen Berlin". Der eine auf Deutsch, der andere auf Griechisch. Und durch die fremde Sprache entwickeln die Lieder ein völlig neues Eigenleben.

Sicas, der in der Schweiz lebende Sänger und Schauspieler, ist seit vielen Jahren ein großer Bewunderer von Klaus Hoffmann. Und ebenso lange beschäftigte ihn die Idee, Hoffmanns Lieder ins Griechische zu übertragen, was sich zunächst ob der so unterschiedlichen Sprachen als langwierige Unternehmung erwies. Im Herbst vergangenen Jahres aber nahm das ambitionierte Projekt Form an und mit "Se Arhaio Nero" veröffentlichte Michail Sicas ein Album mit 13 Hoffmann-Liedern voll mediterraner Melancholie, darunter auch "Blinde Katharina", das in seiner Version klingt, als wäre es schon immer ein Klassiker der griechischen Musik gewesen.

Warum er denn auf die Idee gekommen sei, ausgerechnet seine Lieder zu singen, will Hoffmann auf der Bühne wissen. Sicas antwortet, so wie für Hoffmann Jacques Brel zu einer Art Ziehvater geworden ist, sei Hoffmann für ihn, einen Vertreter der jüngeren Generation, zum großen Vorbild geworden. Bei "Als wenn es gar nichts wär" wechseln sie sich gegenseitig bei den Strophen ab, meistern es auch, den Refrain zweisprachig zu singen. Eine faszinierende Kombination. Mächtig braust Applaus auf für diese ungewöhnliche Einlage, von der so mancher im Publikum gern noch mehr gehört hätte. Im Alleingang lenkt Klaus Hoffmann, wie stets hochversiert begleitet von Pianist Hawo Bleich, den Abend Richtung Finale.

Hoffmann setzt gefühlvolle Passagen gegen komödiantische Elemente

Mit dem treibenden "So lang her", einer stakkatohaften Reminiszenz an die wilden Siebziger Jahre, hatte Hoffmann seine One-Man-Show eröffnet. Er erzählt viel vom Leben in Berlin, von seiner Jugend in den 50er-Jahren, vom Sturm und Drang der Sechziger - und vom Jacques Loussier-Konzert in der Berliner Philharmonie, stilecht untermalt von Pianist Hawo Bleich. Gern kokettiert der 65-Jährige mit seinem Alter, das man ihm natürlich längst nicht ansieht. Er plaudert pointiert, ironisch und in gespielter Schusseligkeit von den Zeiten, die seine Lieder geprägt haben.

Den "Kreuzberger Walzer" singt er und "Weil Du nicht bist wie alle andern", "Die Stadt hat heute dein Gesicht" und natürlich "Blinde Katharina". Aber auch "Lass mich bei dir sein" von Hildegard Knef, "Sie" von Charles Aznavour und "Amsterdam" und "Frida" von Jacques Brel. Dazu viele neue Lieder, wie das barjazzverliebte "Es regnet immer auf Sylt" und das sehnsuchtsvolle "Ich hätte so gern diesen Walzer mit ihr getanzt". Immer ist er ganz nah am Publikum, setzt geschickt gefühlvolle Passagen gegen komödiantische Elemente.

Das Publikum dankt mit regem Zwischenapplaus, singt bei manchen Refrains textsicher mit. Ein Vollblut-Entertainer, der es auch versteht, anfängliche Tücken der Bühnentechnik lässig ins Programm einzubinden. Und als sei das alles nicht genug, überrascht er dann auch noch mit Bühnengast Michail Sicas, allerdings nur an diesem Premierenabend. "Mein Weg" gibt es, fast schon traditionell, als allerletzte Zugabe. Noch bis zum Sonntag kann man Klaus Hoffmanns "Leise Zeichen" live in der Bar jeder Vernunft erleben.
Trierischer Volksfreund 13. Februar 2018: Klaus Hoffmann - Ich habe immer zwischen den Zeilen gelesen
Klaus Hoffmann singt, schauspielert und schreibt seit 50 Jahren. Ein Allroundkünstler mit gewaltigem Erfahrungsschatz.
Trier. Vor seinem Konzert in Trier erzählt der Sänger Klaus Hoffmann im TV-Interview von seinen Erinnerungen an die Moselstadt, von Berlin, vom Musikgeschäft und seinem Antrieb, immer weiter zu machen.
Von David Falkner
Sänger, Schauspieler, Buchautor – es gibt wenig, was der Berliner Klaus Hoffmann in seiner mehr als 40-jährigen Künstlerkarriere noch nicht gemacht hat. Bekannt ist der 67-Jährige vor allem für seine Chansons. Im Gespräch mit Redaktionsmitglied David Falkner gibt er Einblicke in seinen Schatz an Gedanken und Erinnerungen und wird dabei auch ein kleines bisschen sentimental.


Guten Tag! Von wo rufen Sie an? Aus Trier, ist das richtig?


Ja, richtig. Guten Tag, Herr Hoffmann.

Wissen Sie, welche wesentliche Erinnerung ich an Trier habe? Ich habe mir da mal einen tollen Wintermantel gekauft. Außerdem weiß ich, dass ich an einem Buch geschrieben habe, als ich das letzte Mal in Trier war. Ich saß in meinem Hotelzimmer, und da war so eine schöne, alte Wand. Die habe ich lange und gerne angesehen, und ja, daran erinnere ich mich.

Sie sind ja Ur-Berliner, Herr Hoffmann. Von Trier aus gesehen ist die deutsche Hauptstadt ziemlich weit weg. Was verbinden Sie denn noch so mit Trier außer alten Wänden und Wintermänteln?

Trier ist für mich vollmundig. Die Stadt liegt ja im Grenzgebiet zu Frankreich, und in solchen Grenzgebieten haben die Menschen immer eine besondere Mentalität. Auch wenn ich an die Europahalle denke, wo ich im März auftrete, dann ist das für mich durchaus mit Emotionen verbunden: Das ist ja kein Theater oder irgendeine Bühne, das ist ja ein riesiger Ort der Musik. Ich kann nicht sagen, dass ich alle Musik mag, die in solchen Hallen gespielt wird. Aber ich, als Sänger Klaus Hoffmann, schöpfe aus alten Liedern, und da passt mir die Europahalle mit ihrer Musikalität doch sehr gut.

Wie würden Sie Ihre eigene Musik denn beschreiben?

Der Chanson trägt mich, die Folkmusik und die amerikanischen Einflüsse. Immer Erzähler.

Ein wichtiges Thema Ihrer Musik ist Berlin. Was, denken Sie, macht die Hauptstadt für die Hörer interessant?

Den Zusammenhang zwischen Berlin und Städten wie Trier sehe ich in den Themen, die in allen Städten mehr oder weniger gleich sind. Wenn die Leute den Namen Berlin hören, dann denken viele an Touristen-Klischees, an volle Straßen und solche Sachen. Mir geht es aber um etwas Universelles, um das Gefühl, in der Stadt gefangen zu sein. Ich denke, ich mache es da ähnlich wie es beispielsweise Jac­ques Brel (belgischer Chansonsänger, die Red.) mit Paris gemacht hat: Er besingt die Stadt wie eine Frau. Und er bleibt der Liebende. Das Verändern, das Durch-Mauern-Gehen, darum geht es in meiner Musik. Da ist Berlin am Ende nur ein Beispiel, das gibt es auch anderswo.

„Leise Zeichen“ ist der Titel Ihrer aktuellen Tour. Ist das etwas, was Sie heutzutage betonen wollen? Leise Zeichen als Kontrapunkt zu unserer modernen Zeit, die oft als hektisch wahrgenommen wird, und in der es auch politisch wieder unruhiger geworden ist? Oder kommt das eher aus Ihnen selbst und hat wenig mit äußeren Einflüssen zu tun?

Es ist beides. Auf der einen Seite geht es um die gesellschaftliche Dimension, aber der Titel entspricht auch einfach meinem Charakter. Ich habe immer zwischen den Zeilen gelesen, und das machen die meisten Menschen, gerade momentan in dieser unruhigen Zeit, wo alle ziemlich verdeckt agieren und sich an die Realitäten anpassen.

Seit mehr als 40 Jahren stehen Sie auf Deutschlands Bühnen. Das ist natürlich auch ein gewaltiger Erinnerungsschatz. Was funktioniert im Musikgeschäft denn heute anders als früher?

In den 80er Jahren waren alle aufs Geld aus, allerdings sind sie das heute noch viel mehr. Aber damals war alles mehr menschenabhängig. Ich hatte Glück, ich traf viele Männer und Frauen, die mich weiterbrachten, die mich förderten. Die Leute wurden früher eher entdeckt. Heute, denke ich, werden die Künstler eher nur für kurze Zeit begleitet. Zudem habe ich das Gefühl, dass alle unter einem riesigen Druck arbeiten. Jeder sagt den Künstlern, wie sie zu sein haben und was sie zu tun haben, jeder weiß es besser als die Künstler selbst. Das ist doch enorm schwierig. Es war zu unserer Zeit auch so, man liebte aber mehr, man konnte sich das leisten, man flog ein bisschen höher. Nicht nur um der Kommerzialität willen. Also noch mal wollte ich das nicht machen – aber ich glaube, das stimmt nicht so, ich würde es immer wieder machen.

1975 ist Ihr erstes Album erschienen, seitdem kam alle zwei Jahre ein neues, und zwar ohne Pause. Ganz nebenbei haben Sie auch noch mehrere Bücher verfasst. Woher nehmen Sie diese Energie?

Das Schreiben ist für mich Lust und Frust, das ist die Art, wie ich mich äußere, ist ein wenig manisch. Das klingt jetzt ein wenig kokett, ist aber so. Mein Lebensmittel. Kunst eben, oder Kunststückchen, wie Franz Josef Degenhardt (deutscher Liedermacher, die Red.) es einmal von sich sagte. Aber ich vertreibe mir damit auch die Zeit. Ich erhalte mich so am Leben. Ich habe ja eigentlich als Schauspieler angefangen. Und will dahin auch wieder zurück, wenn das in meinem Alter noch funktioniert. Zu Beginn meiner Sängerkarriere habe ich manchmal das Gefühl gehabt, dass ich auch als Sänger eine Rolle spiele. Früher war mir in erster Linie wichtig, dass ich nicht irgendein Serienschauspieler werde. Heute denke ich, so eine Rolle als französischer Kommissar würde mir doch sehr gut stehen. Ich muss aber auch sagen: Das Sängerdasein erfüllt mich. Ich bin jetzt der Sänger, den ich mein Leben lang in mir gesucht habe. Mal sehen, was kommt.

Gibt es konkrete Pläne, zum Film zurückzukehren?

Nein, konkrete Pläne gibt es nicht. Ich habe vor Jahren für meinen Roman „Der Mann, der fliegen wollte“ ein Drehbuch geschrieben, aber das wollten die Produzenten nicht haben. Es war ein langer Ritt, und dann ließ ich es ruhen. Aber ich bin dabei, ich schreibe bald einen neuen Stoff. Ich halte die Augen auf.

Klaus Hoffmann singt im Rahmen seiner Tour „Leise Zeichen“ am Mittwoch, 14. März, 20 Uhr, in der Europahalle in Trier.

Karten für das Konzert gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199–996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets
Braunschweiger Zeitung 19.12.2017
Der Sänger Klaus Hoffmann trat im Staatstheater auf
"Der Mann mit der wunden Seele"
Von Ann-Claire Richter
Da stehen sie, jubeln, klatschen, toben und fordern ihn lautstark auf die Bühne zurück, obwohl die Rausschmeißer-Musik im Saal längst aufgedreht ist. Klaus Hoffmann hat ganze Arbeit geleistet. Das Publikum im Großen Haus des Staatstheaters will den Troubadour mit der immer noch so wund scheinenden Seele nicht ziehen lassen, kann nicht genug bekommen von diesem Mann, der sich so nahbar, so verletzlich zeigt und seine Befindlichkeiten in wunderbare Worte kleiden kann. Der so kluge Zeilen schreibt wie „Nur weil ich vermute, dass ich sehend bin, brauch ich doch nichts erkennen“ und der sich über sein Publikum ebenso lustig macht wie über sich selbst.
Ein Hoffmann-Konzert ist ein Abend der Kontraste. Laut, leise, poetisch, brachial. Diesen einen Abend in Braunschweig widmet er Gerlinde, die eigentlich Annagerlinde heißt und die er schon vor Jahrzehnten in seinem Lied „Gerda“ verewigt hat. Anna-Gerda-Gerlinde Dodenhoff, die kluge Studienfreundin aus der Schauspielschule, die später Wolfgang Gropper heiratete, der später Theaterintendant in Braunschweig wurde. Er starb im vergangenen Jahr. Hoffmann weiß auch nach einem anstrengenden Tournee-Marathon genau, in welcher Stadt er sich befindet.
Es ist der zunächst letzte Abend der „Leise Töne“-Tour durchs Land. Noch einmal alles geben, alle Kräfte mobilisieren, weil die etwas verhaltenen Braunschweiger aus der Reserve gelockt werden wollen. Doch Hoffmann ackert vorbildlich. Das Programm ist eine ausgewogene Mixtur aus alten Songs und neuen. Gauklerisch verleimt durch seine so eigenwilligen Text-Überleitungen. Manchmal nur Satzfetzen, die wie Seufzer klingen. Ach ja, damals. Als alles so verwirrend und aufregend war. Als alle anderen so clever und politisch waren und er so naiv und ungebildet. „Mein Weg ist mein Weg ist mein Weg“ wird er ganz am Ende singen. Klaus Hoffmann, der unruhige Zweifler, der sich letztlich doch als recht unbeirrbar erwiesen hat.
Dabei ist er Schauspieler durch und durch. Erzählt seit so vielen Jahren, so vielen Abenden die immergleichen Geschichten, als wär’s das erste Mal. Und trifft damit offenbar immer noch den Nerv, mitten hinein in die – vielleicht auch wunden – Seelen seiner Zuhörer. Gefühlig, pathetisch, selbstmitleidig. Er, „der alte Sack“, dem die 66 Jahre in die Knochen gefahren sind. Manchmal schleicht er wie ein Greis, um Sekunden später wie ein Jüngling über die Bühne zu tänzeln.
Auf Klaus Hoffmann ist Verlass: Seine Themen sind und bleiben die schweren und doch so verheißungsvollen Nachkriegszeiten, Aufbruch und Sinnsuche, Liebe und Scheitern – und immer auch Berlin. Er besingt die großen Gefühle und den Dauerregen auf Sylt und verzweifelt, weil die Braunschweiger bei „Derselbe Mond über Berlin“ zu wenig Traute zum Mitsingen zeigen. Wohl denen, die textsicher sind, denn Hoffmann neigt zum Nuscheln.
Ihm zur Seite am Klavier: der treue Begleiter Hawo Bleich. Ein großartiger Pianist, der an technischem Gerät auch dezente Sounds zaubert. Das ist mehr als Lückenbüßerei. Ein gefühliger, schöner Abend, der für nachhaltige Erinnerungen taugt.
Kölnische Rundschau: "Raus aus der Komfortzone"
"Leise Zeichen" im Gloria: Klaus Hoffmann lässt sein musikalisches Leben Revue passieren
von Barbro Schuchardt
Da steht der 17-jährige mit der Schlaghose und der Gitarre vor der Berliner Szenekneipe und bittet ": Ich möchte bei euch singen!". Mit nichts als "Knef und die Internationale im Gepäck". Und der ruppige Typ vom Club lässt ihn. Jetzt weiß Klaus-Dieter Hoffmann, der Kaufmanns-Lehrling aus bescheidenen Verhältnissen: "Wenn ich's hier schaff, schaff ich's überall"! Nur den "Dieer" will er unbedingt loswerden und nur noch der Klaus sein.
Am Sonntagabend nahm der 66-jährige Sänger, Schauspieler und Romanautor sein Publikum im ausverkauften Gloria unter dem Motto "Leise Zeichen" mit auf eine Reise durch sein Leben. Erinnerungen, in denen sich viele im Publikum wiederfinden. Lieder zum leisen Mitsingen, zum Träumen, über die Liebe ("Weil du nicht bist wie alle andern", Es ist der selbe Mond").
Hoffmann erzählt von der unvergesslichen Reise nach Afghanistan 1969, als "eine ganze Hippie-Generation auf der Flucht war". Manchmal wünscht er sich diese Zeit des Aufbruchs und der Sinnsuche zurück. "noch mal raus aus der Komfortzone". Doch wie die meisten seiner Generation ist er etabliert, die Vergangenheit romantisch verklärt.
Der Berliner, am Piano einfühlsam begleitet von Hawo Bleich, findet in jeder Minute seines wunderbaren Konzerts den richtigen Ron zwischen Gefühl und sanftem Revoluzzertum, garniert mit selbstironischen Glanzlichtern. Natürlich durften Lieder von Jacques Brel ("Amsterdam", "Ne me quitte pas", "Ces gens-la") und Charles Aznavour ("Les deux guitarres", "Tous les visages des l'amour") - alle auf Deutsch - nicht fehlen bei diesem französischsten aller deutschen Sänger. Großartig, wie sich hier Zartheit mit Agression, Trauer mit Nostalgie verbindet!
Das begeisterte Publikum ließ die beiden Musiker auch nach zweieinhalb Stunden kaum von der Bühne gehen. Und man hatte das Gefühl, auch sie selber würden am liebsten noch lange so weiter machen.
Ein Trost für alle, die dieses "Kammerkonzert" verpasst haben: Am 14.11.2018 kommt Klaus Hoffmann mit seiner Band in die Philharmonie. Und das Live-Album "Glaube Liebe Hoffmann" mit einer Aufzeichnung aus dem Berliner Friedrichstadt-Palast (auf drei CDs plus DVD!) gibt es schon jetzt.
Helmstedter Nachrichten, 02.11.17:
"Leise Lieder klingen diesmal wie Choräle"
Klaus Hoffmann singt zum Abschluss des Luther-Spektakels im Kaiserdom
Königslutter. Ein ganz besonderer Gast war am Reformationstag zum Luther-Spektakel im Kaiserdom zu Königslutter: Klaus Hoffmann, Liedermacher, Schauspieler, Autor - ein Star der Chansonniers.
Unser Leser Horst Schwirz aus Helmstedt schrieb uns nachher: "Ich weiß nicht, wie es Pröpstin Martina Helmer Pham Xuan gemacht hat, aber Klaus Hoffmann zum Reformationsjubiläum in den Kaiserdom zu holen, um mit ihm über die Kirche, die Reformation und das Leben zu sprechen, war schon etwas ganz Besonderes."
Klaus Hoffmann erzählte aus seinem bewegten Leben. Seine Reise nach Afghanistan berührt - es ist so, als hole einen die Geschichte immer wieder ein. "Krieg und Zerstörung ist immer gegenwärtig, auch heute noch", sagt er dem Publikum. Die Pröpstin stellte Fragen auch zum Thema Kirche: "Was müssen wir als Kirche tun, um wieder attraktiver zu werden?" "Na, Gott ist schon mal da", erwiderte Hoffmann. Da, wo es um die wichtigen Dinge im Leben geht, reichen wenige Worte. So auch auf die Frage, was er der Jugend rät: "Macht die gleichen Fehler wie wir, aber sprecht mit uns darüber!"
Dann aber spielte Klaus Hoffmann seine Lieder, eigentlich als "Leise Zeichen" deklariert. Doch in dieser "heiligen Kirche", dem Dom zu Königslutter, klangen sie wie Choräle. Der Nachhall erzeugte eine eigene Stimmung, die selbst Hoffmann beeindruckte. red
Hans Ulrich Pönack auf seiner Website
www.poenack.de
MUSIK: Begleite IHN seit Jahrzehnten. Von den ganz kleinen Berlin-Charlottenburger Anfängen, im "Steve Club" beispielsweise oder im "GO IN", bis jetzt zu den ganz große zweijährigen Dezember-Auftritten im Friedrichstadt-Palast Berlin: KLAUS HOFFMANN. Habe alle CDs von ihm, er besingt meine Seele. Von einst, gestern und heute. Klaus Hoffmann, der wunderbare Sänger, Entertainer und Balladen-Troubadour. Mit seiner ebenfalls begnadet-passenden Band. Am 12. Dezember letzten Jahres gastierten sie mal wieder im Mitte-Palast, und jetzt gibt es von diesem einmal mehr herrlichen, stimmungs-intensiven Abend eine gleich Dreifach-CD plus einer 149moinütigen DVD mit dem gesamten Konzert. Titel: GLAUBE LIEBE HOFFNUNG. Davon mag ich derzeit gar nicht genug hören. Und sehen.
Klaus, DANKE, Du rettest mich durch diese düsteren Zeiten. Und wie es stimmt: "Jedes Kind braucht einen Engel".
Tagesspiegel Berlin, Sonnabend, 7. Oktober 2017, Stadtleben
Stadtmenschen:
Ja, das war zweifellos ein legendäres Konzert. Chansonnier und Liedermacher Klaus Hoffmann plauderte und sang im Dezember 2016 mal wieder auf einer der wirklich großen Bühnen der Stadt: Im Friedrichstadtpalast feierte er vor fast ausverkauftem Haus seinen 65. Geburtstag, sein 40-jähriges Bühnenjubiläum und zugleich die Premiere seines Programms "Leise Zeichen". Und nun ist ein kompletter Mitschnitt dieses Auftritts mit Hawo Bleich am Piano & Band auf drei CDs plus DVD in einer schönen handlichen Box erschienen. Titel: "Glaube, Liebe, Hoffmann". Das passt gut zu seinen Fans. Schließlich gelingt es nur wenigen Künstlern, über Jahrzehnte von ihrem Publikum geliebt zu werden. Hoffmann schafft das - aber wie?
Er erzählt in seinen Liedern viel vom eigenen Leben, streift dabei in vielen Dingen auch die Erinnerung all seiner Getreuen 50 plus, mit denen er älter geworden ist. Un er brennt noch immer für seine Sache, bleibt sich treu - seiner Lebensfreude, Melancholie, seinem ironischen Witz und seiner Liebe zu Berlin. "Du machst mich immer noch verrückt", singt er. Es ist Hoffmanns Liebeserklärung an die Stadt und an sein Zuhause im idyllischen Kladow zwischen Havel und Groß-Glienicker See.
Wen wunderts also, daß man den Unermüdlichen bald wieder live mit seinen "Leisen Zeichen" erleben kann, vom 13. bis zum 15. Oktober in der Bar Jeder Vernunft. Mit Oldies wie dem "Kreuzberger Walzer" oder "Blinde Katharina", aber auch mit neuen Chanosns wie "Du bist die Hoffnung". Alles Lieder gegen die allgegenwärtige Großmäuligkeit, für ein menschliches Miteinander. "Leise Zeichen" eben, die aus der Versenkung des Herzens auftauchen - entdeckt im Vergangenen und in der Gegenwart. CS
Thüringer Allgemeine, 20. Juni 2017: "Weimarer Spiegelzelt: Klaus Hoffmann setzt leise Zeichen"
Selbstironisch, empfindsam, persönlich: Klaus Hoffmann setzt im Weimarer Spiegelzelt leise Zeichen.
Weimarer Spiegelzelt: Klaus Hoffmann setzt leise Zeichen

Selbstironisch, empfindsam, persönlich: Klaus Hoffmann setzt im Weimarer Spiegelzelt leise Zeichen

Klaus Hoffmann setzt rückblickend leise Zeichen, erzählt und singt von seinem Leben

Weimar. Sie ist spürbar, die Welle der Sympathie seiner Fans im Weimarer Spiegelzelt, noch bevor Klaus Hoffmann die Bühne betritt. Als er dann kommt, der Chansonnier, der sich Jacques Brel als Vorbild gewählt hat, der Schauspieler, der sich 1976 in der Plenzdorf-Verfilmung „Die neuen Leiden des jungen W.“ einen Namen gemacht hat, sind Respekt und Vorfreude groß.

Klaus Hoffmann setzt rückblickend leise Zeichen, erzählt und singt von seinem Leben. Vom Berlin der Clubs, wo seine Karriere begann. Von der Liebe, von der ersten, die ihn mit einer Distel verdrosch, von späteren, traurigen, „Es regnet immer auf Sylt“, von der großen, die er kitschfrei besingt: „Weil du nicht bist wie die anderen“. Er setzt seine leisen Zeichen auch den lauten Zeiten eines großmäuligen Donald Trumps entgegen, erzählt von den 70er Jahren, als er Rebell sein wollte, von seinem Aufbruch in die Welt, der nach Kabul führte, „Bin ein Fremder“. Und auch vorausschauend setzt er leise Zeichen, wenn er empfindsam über das Altern nachdenkt. Sein ganz persönliches Credo hat er dabei wohl längst gefunden: „Glaube, Liebe, Hoffmann“.

Klaus Hoffmann live ist Gefühl und Wiedererkennen. Er findet für sein Inneres treffende Worte, singt von Dingen, die jeder erlebt hat. Er entrollt Bilder über die Suche nach sich selbst, weiß um die Wirkung seiner Gesten und Mimik. Er verneigt sich vor Brel, singt für seine verstorbene Mutter „Bitte geh‘ nicht fort“, interpretiert „Amsterdam“ und „Ces gens-là“, das bei ihm „So sind hier die Leute“ heißt. Witzig und selbstironisch erzählt er von früher, seine Liedtexte unterfüttern die Erinnerungen poetisch mit Sehnsucht und Ehrlichkeit. Die improvisierten Überleitungen seines Pianisten Hawo Bleich zeugen von einer gegenseitigen Harmonie, die schnell aufs Publikum übergreift. Beklagt Hoffmann zu Beginn das Mitsingen noch als „schütter“, nimmt es zwischendurch gehörig an Fahrt auf und wird bei „Derselbe Mond über Berlin“ gar zum „krachenden“ Chor. „Seid ihr noch da“ fragt er oft ins Publikum, dabei ist er selber nach über 40 Jahren im Musikgeschäft so präsent wie nie.

Stefanie Grießbach / 20.06.17
Thüringer Allgemeine, 14. Juni 2017: "Ich wollte immer ein Hippie sein"
Liedermacher Klaus Hoffmann über seine neuen Songs, seine Karriere und frühe Rolle als Aussteiger in "die neuen Leiden des jungen W."
15. Juni 2017 / 01:51 Uhr
In Weimar ist Klaus Hoffmann am Sonntag als Sänger zu erleben. Er würde aber auch gern wieder auf der Theaterbühne stehen oder in einem Film mitwirken, verrät er im Interview. Foto: Britta Pedersen
In Weimar ist Klaus Hoffmann am Sonntag als Sänger zu erleben. Er würde aber auch gern wieder auf der Theaterbühne stehen oder in einem Film mitwirken, verrät er im Interview. Foto: Britta Pedersen

Weimar. Am Sonntag ist der Liedermacher und Schauspieler Klaus Hoffmann im Weimarer Spiegelzelt zu erleben. „Leise Zeichen“ heißt sein neues Programm. Hawo Bleich wird ihn am Klavier begleiten. Die 16 Lieder auf der gleichnamigen CD erzählen Geschichten und Träume aus Hoffmanns Leben. Sie bieten auch eine poetische Rückschau, die selbstironische Töne einschließt: „70er Jahre, lange Haare / Wickelrock und Tupperware / Flowerpower, Kerouac / Hatha Yoga, La Boheme und Nudelsalat / manchmal etwas LSD“, heißt es in „So lang her“. Wir sprachen mit dem Sänger darüber.

Herr Hoffmann, Sie setzen leise Zeichen – Zeichen der Poesie, der Hoffnung, der Liebe – gegen eine lärmende Welt. Werden sie erhört?
Von denen, die zu uns ins Konzert kommen, schon. Aber die wissen ja auch, was sie erwartet. Trotzdem, leise Zeichen habe ich eigentlich zu allen Zeiten gesetzt. Meine Lieder waren nie sehr laut.
Die Zeiten ändern sich. In was für einer Zeit singen Sie jetzt?
Ich bin kein Seher. Aber ich habe das Gefühl, dass wir einen Umbruch erleben. Man sieht es in Frankreich. Oder in den USA. Man weiß, dieser Trump ist völlig daneben, und trotzdem kostet es große Mühe, ihn abzulösen. Vielleicht wird er sich bald selbst abschaffen. Wir leben in einer Zeit radikaler Widersprüche. Zum Glück gibt es, so mein Eindruck, eine Mehrheit, die nicht verblödet ist.
Manche Lieder der neuen CD muten sehr persönlich an. Sie erzählen von Ihrer Kindheit, von den Hippie-Jahren...
Ich erzähle von mir, wenn auch nicht alles. Im Grunde haben fast alle meine Lieder mit meiner Lebensgeschichte zu tun. Ich bin aber kein Besserwisser. Lieder sollten nach Möglichkeit immer persönlich sein, das haben mich meine Vorbilder Bob Dylan und Jacques Brel gelehrt. Sie haben sich auch nie davor gedrückt, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Im Booklet sind die Songs datiert. Offenbar ist von März bis Mai die produktivste Zeit für den Liedermacher Klaus Hoffmann.
Ach ja? Das ist noch niemandem aufgefallen. Aber stimmt, es gibt so Stromzeiten... Dennoch, Typen wie ich schreiben immer.
In dem Song „So lang her“, der ein bisschen an Hannes Wader erinnert, streifen Sie die späten 60er-Jahre im Schnelldurchlauf. Das hätte ich mir gern ein bisschen ausführlicher gewünscht... Waren Sie ein Hippie?
Ich wollte immer einer sein. Aber ich war zu gut erzogen. Nachdem ich in Afghanistan gewesen war, war ich ja nur mit Hippies unterwegs. Wobei das eher abgetörnt hat. Ich hatte noch nie so viele Hippies erlebt, die von Geld redeten. Aber diese Idealvorstellung, von der Henry Miller und Charles Bukowski schrieben, die Zeit der New Yorker Beginnings, als Dylan begann, Songs mit politischen Aussagen zu machen, da wäre ich gern mit dabei gewesen. Was mir an Deutschland nicht gefallen hat, war, dass die Hippie-Bewegung zu wenig als politische Bewegung wahrgenommen wurde.
Sie waren mit 17 in Afghanistan. Haben denn Ihre Eltern Sie einfach ziehen lassen?
Sie mussten. Ich lebte ja mit meiner Mutter, meinem Stiefvater und Stiefbruder sehr beengt und wollte schon mit 16 da raus. Als Lehrling bin ich fast jede Nacht in die Clubs abgetaucht, das war die beste Ausbildung für mich. Da gab es die Stand-up-Comedys und viel Poesie auf der Bühne. Allen Ginsberg, die Folkbewegung aus Amerika. Aus Frankreich Brel und Aznavour. Im Grunde habe ich in den Clubs all das gelernt, was ich heute noch mache. Blöderweise mach‘ ich es heute besser.
Wieso blöderweise?
Meine ersten Lieder waren ziemlich kryptisch, und ich habe sie bald nicht mehr gemocht. Heute stelle ich erstaunt fest, dass es vielleicht die besseren Lieder waren, weil sie von so einem jungen Typen, der ich damals war, einfach in die Welt geschleudert wurden. Später war ich bemüht, diese unbeschwerte Ausdrucksfähigkeit wiederzufinden.
Das Ursprüngliche, Naive und Authentische?
Genau.
Apropos junger Typ: 1976 haben Sie in der ARD-Verfilmung von Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“ den Aussteiger Edgar Wibeau gespielt. Wir haben damals als Abiturienten das Stück am Deutschen Theater in Ostberlin gesehen. Das war für uns ein DDR-Stück. wie haben Sie sich als Westdeutscher in die Rolle hinein gefunden?
Das war nie ein Problem für mich. Erstens bin ich im geteilten Berlin aufgewachsen und war immer mit dem halben Herzen im Osten, wo viele Verwandte lebten, in Kaulsdorf, einem Berliner Vorort. Für mich ging es da nicht um Ost und West, sondern um eine Hose, die legendäre Bluejeans. Die hat doch für die Jugendlichen in beiden Teilen der Stadt im Grunde dieselbe Rolle gespielt: als Symbol der Freiheit und Selbstbestimmtheit. Nur, viele Ostdeutsche hatten ein Problem mit mir, weil sie die Rolle des Edgar Wibeau nicht von einem Westler gespielt haben wollten. Das sind ähnliche Dogmen, wie sie auch schon im Film vorkommen. Wie gesagt, es ging um eine Hose, es ging um die Jeans und um die Auflösung eines Dogmas. Das funktionierte grenzüberschreitend, ging von Ost nach West.
Und ging sogar noch weiter bis nach Fernost.
Inwiefern?
Ich habe 1989, als die Berliner Mauer fiel, in China Deutsch unterrichtet und an der Nanjing-Universität eine Videokassette mit besagtem Film gefunden, in dem Sie die Hauptrolle spielen. Es war kurz nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, und ich habe überlegt, kannst du „Die neuen Leiden des jungen W.“ mit den chinesischen Studenten anschauen und diskutieren.
Und? Haben Sie den Film gezeigt?
Ja. Natürlich kapitelweise, denn ich musste viel erklären. Aber sie haben es angenommen, denn den Konflikt kannten sie. Sie sagten, ihre Eltern redeten nicht über Politik, sie würden vom Staat bevormundet und sobald sie ausscherten, würden sie bestraft.
Wie viele Leute waren denn da im Raum?
Die Seminargruppe bestand aus vielleicht zehn, zwölf Studenten. Und alle haben sich mit Edgar Wibeau, also dem jungen Klaus Hoffmann, identifiziert.
Das hat auch Uli Plenzdorf, mit dem ich befreundet war, mal zu mir gesagt: Im Grunde lag ich da drauf. Ich kannte natürlich Sallingers „Der Fänger im Roggen“, das war unsere Bibel gewesen. Ich war der Typ, der loszieht, um sich selbst zu finden.
Wenn man Ihre Vita liest, reiht sich da eine CD-Aufnahme an die andere, folgt ein Tournee-Erfolg dem anderen. Waren Sie jemals in einer Schaffenskrise?
Oh, vielleicht ist das ja alles in einem eine Krise.
Wie meinen Sie das? Weil alles zu perfekt läuft?
Womöglich steckst du in der Krise, wenn du dich bemühst, keine zu bekommen. Nein, dazu kann ich, ohne zu kokettieren, gar nichts sagen. Das Liedermachen ist für mich nicht nur Zeitvertreib, es ist mein Lebensinhalt. Und es hat mich immer wieder befreit. Aber ich würde auch gern wieder drehen, also spielen.
Sie haben sehr früh schon Schauspielerlorbeeren eingeheimst. Warum hat sich letztlich der Sänger in Ihnen durchgesetzt?
So habe ich es selber bestimmt. Das war auch richtig, doch ich blicke immer mit einem Auge auf die Drehbücher, die ich nicht bekomme. Ich wäre heute froh, wenn ich wieder drehen könnte. Doch es muss eine Geschichte sein, in der ich mich richtig zu Hause fühle. Sonst kann es ja auch ein anderer machen.
Frank Quilitzsch / 15.06.17
Antje Amoneit schreibt in der Landeszeitung Lüneburg: Der Optimismus ist geblieben - Der Liedermacher Klaus Hoffmann auf Gut Bardenhagen
"Optimismus leitet ihn, 'trotz Hass und Krieg', er besingt das Gute an einer Aufbruchstimmung, an Abenteuern, am süßen Leben...".

"Ansteckend ist Klaus Hoffmanns Einstellung, ist sein Gesang, der Kitsch zu meiden sucht, auch durch sein drängendes, mitreißendes Gitarrenspiel, das große Steigerungen mitmacht."
Die Welt Hamburg, 21. Dezember 2016:
Lieder gegen das Grauen - Klaus Hoffmann träumt in der Laeiszhalle von der Hoffnung und setzt "Leise Zeichen"
Chansons und Balladen voller Poesie: Klaus Hofmann
Von Helmut Peters
Es gehört schon Mut dazu, in einer unruhigen Zeit voller Hass und Terror wie dieser noch immer so sentimentale Lieder zu singen. Gerade ist Klaus Hoffmanns neues, einfühlsames Album "Leise Zeichen" erschienen und der 65-jährige Berliner Barde tourt damit durch Deutschland.

Gespenstisch: Ohne es ahnen zu können, trat Hoffmann zur Zeit des Terroranschlags an der Berliner Gedächtniskirche am Montag mit seinem Gitarristen Michael Brandt, dem Bassisten Peter Keiser, dem Pianisten Hawo Bleich und dem Schlagzeuger Stephan Genze in der Laeiszhalle auf. Das Thema des Abends (und des Albums) war kurz gefasst die Liebe, die Hoffnung und der Umgang mit Erinnerungen an eine alte, vermeintlich bessere Zeit.

War es wirklich alles rosiger, damals als man jung war? Hoffmann stellt diese Frage gar nicht so, aber er bekennt sich zum Träumen. Heute wie damals, als er 18 war und die Welt durch eine rosarote Brille sehen wollte. Aus den Liedern von "Leise Zeichen" spricht der tiefe Wunsch, das Unverbrauchte der Jugend, das hoffnungsvoll in die Zukunft Blickende auf irgendeine Weise zurückzugewinnen. Die fünf gesetzten Herren in dunklen Sakkos, die in zwei Dutzend Liedern dieses Ziel musikalisch umreißen, stehen zu ihrem Alter.

Der Komponist und Liedermacher Hoffmann holt Charles Aznavour und Jacques Brel aus der Mottenkiste und will auch seine eigenen Lieder nicht krampfhaft einem neuen Zeitgeist anpassen. Es sind Chansons und Balladen voller Poesie, manchmal rührselig, aber stets gut getextet und mit einem roten Faden versehen, den man in jedem Song mit Spannung verfolgt. Hoffmann ist eben auch ein Geschichtenerzähler, was er in der Laeiszhalle erneut bewies. Er erzählt aus seinem Leben, vom ersten Auftritt, bei dem er Hildegard Knef gecovert und ein selbst gemachtes Lied präsentiert hat. Er berichtet von Liebschaften, Reisen und Erlebnissen, die sich mit den Inhalten des dramaturgisch geschickt gebauten Programms dann wundersam verbinden. Die Moderationen und Zwischentexte des Sängers sind allerdings alles andere als spontan. Es sind einstudierte, an jedem Aufführungsort erneut abgespulte Texte, die die Publikumsreaktionen einkalkulieren und kaum den Augenblick eines direkten Dialogs nutzen.

Mit dem neuen Lied "Lalala", in dem Hoffmann der ganzen Träumerei mit einem lässigen Schulterzucken und dem Refrain "Ich sing nur lalala" begegnet, begann der Abend. Bildhafter war der Song "Die Stadt hat heute dein Gesicht", in dem gesagt wird, dass wir unsere Welt immer mit unseren Augen sehen sollen und dass wir möglichst hineinprojizieren, was uns innerlich bewegt. Für Hoffmann sind Armut und Entbehrungen, Kummer und Sorgen stets so weit erträglich, wie sie unsere Hoffnungen nicht zerstören. Er kokettiert mit dem eigenen Alter und seinen Schwächen und rät: "Wenn du die Fenster aufmachst, musst du dich schön machen".

Seine Stimme und seine Art zu declamieren vermitteln bei alldem Geborgenheit. Viele Paare im Publikum haben sich bei den ruhigeren Liedern aneinandergeschmiegt und die Augen geschlossen. Hoffmann kann trösten. Er will dem Grauen der Gegenwart etwas entgegensetzen - und weiß doch, wie schwer es sein dürfte, mit Träumen allein diesen Herausforderungen standzuhalten. "Glaube - Liebe - Hoffmann", so lautet seine Formel, auch wenn manche darin eine etwas überzogene Egomanie wittern.

In seinen Erinnerungen an die 68er, an Latzhosen, Hippies und lange Haare spielt auch die eigene Mutter eine Rolle. Den Brel-Song "Geh nicht fort von mir" bezieht er auf sie und rührt zu Herzen. Ja, Rührung. Oft wird die sentimentale, fast weinerliche Stimmlage des Sängers etwas anstrengend und man könnte ihm berühmte Frage, wo denn eigentlich das Positive bleibe, vor Augen halten, mit der sich Erich Kästner schon herumschlagen durfte. Die Antwort "Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt" ist aktueller denn je.

Auf der anderen Seite überfordert Hoffmann sein Publikum auch nicht mit Endlosschleifen. Seine Songs, auch seine Moderationen, sind extrem kurz, manche währen nur gut zwei Minuten. Und der Entertainer beherrscht es, Stimmungen zu steuern. Mit leicht heiserer Stimme und einem kalkulierten Stocken im Vortrag sang er Hildegard Knefs Klassiker "Lass mich bei Dir sein, wenn dein Lächeln mich umarmt...".

Ein geschickter Schachzug waren in der ohnehin fantasievoll arrangierten Musik der fünfköpfigen Band kleine Anleihen beim großen Johann Sebastian Bach. Aus den Inventionen und Präludien mixte sich der Pianist Hawo Bleich etwas Eigenes. Auch wenn das Material gleich verjazzt und verrockt wurde, litt die geniale Polyphonie keinen Deut darunter. Klar, dass ein schneller Walzer bei dem Song "Ich hätt so gern diesen Walzer mit ihr getanzt" unverzichtbar war. Für Hoffmann, der am Ende sein Sakko auszog, war es natürlich klar, dass er auf gar keinen Fall versucht, dazu auch noch zu tanzen. "Wahrscheinlich wachse ich noch", witzelte er, "denn es knackt in den Knochen. Einen Hüftschwung probier ich erst gar nicht". Man muss sich halt den Gegebenheiten anpassen und mit 65 Jahren eben etwas "leisere Zeichen" setzen.