11.03.2019 - Berliner Morgenpost -
Liebe, Abenteuer, Alter: Liedermacher Klaus Hoffmann zeigt sich in der Bar jeder Vernunft nicht nur lustig, sondern auch nachdenklich
Klaus Hoffmann setzt seinem Vater ein Denkmal
Ulrike Borowczyk

Früher mal in den Fünfzigern sah Klaus Hoffmann einfach nur klasse aus. Nach eigenem Bekunden war er eine Mischung aus Klaus Kinski und Barbra Streisand. Und das mit gerade mal sechs, sieben Jahren. Natürlich schrieb er damals auch schon geniale Songs am Harmonium, erinnert er sich großspurig. Bekanntlich kann man mit der eigenen Legendenbildung nie zu früh anfangen. Und so optimiert der Sänger mit viel Selbstironie und augenzwinkerndem Witz ganz zeitgemäß seine Biografie. Glücklicherweise vergisst er darüber die Musik nicht, singt seine alten und neuen Lieder. Wie seine Berlin-Hymne „Ein Leben lang mit dir“.

Der Berliner Liedermacher und Chansonnier versteht es in der Bar jeder Vernunft, nicht nur lustig zu sein, sondern auch die ernsten und stillen Momente im Leben auszuloten. Mit der Berlin-Premiere seines Konzertabends „Aquamarin“, benannt nach seinem aktuellen Album. Ein Heimspiel für Hoffmann, dem das Publikum von der ersten Sekunde an zu Füßen liegt. Viele von der Zuschauer sind langjährige Fans. Wiederholungstäter, deren Gesichter Hoffmann gut kennt. Man ist quasi unter Freunden, denen man manch lang gehütetes Geheimnis anvertrauen kann.
Eine Kiste hat er im Charlottenburger Schlossgarten vergraben

Wie das vom Aquamarin, dem Glücksstein der Seefahrer, der für Aufbruch, Ankommen und Hoffnung steht. Er begleitet Klaus Hoffmann seit seiner Kindheit. Einer dieser blauen Kristalle war in der Kiste, die er als Junge im Charlottenburger Schlossgarten vergraben hat. Mit weiteren wichtigen Lebensdingen wie Kinokarten und einem Kinderbuch. Wiedergefunden hat er die Kiste nie. Aber sie ist ein Ankerpunkt in seiner Vita. Anlass, um aus seinem Leben zu erzählen. Vor allem vom frühen Tod des Vaters, der beim Sohn eine große Lücke hinterlassen hat, die er als Künstler stets füllen wollte.

Mit dem Song „Du siehst aus wie Papa“ setzt er seinem Vater ein wunderschönes Denkmal. Mit federleichter Melodie und heiter-tiefsinnigen Versen. Hoffmann selbst spielt die Akustikgitarre. Dazu wird er virtuos am Flügel von Hawo Bleich begleitet. Nicht nur die pointierten Erzählungen sind höchst unterhaltsam. Auch die Liedauswahl aus dem gewaltigen Werkschaffen Hoffmanns ist exzellent. Ein gelungener Querschnitt durch über vier Jahrzehnte seines Schaffens. Darunter „Blinde Katharina“, „Melancholia“ und „Für det bißchen Zärtlichkeit“. Es geht um Liebe, Abenteuer, Reisen und immer wieder um Berlin. Um die wuchtigen und die leisen Momente, die Hoffmann poetisch einfängt.

Zwischendurch kokettiert der Musiker mit seinem Alter. Ende des Monats feiert er seinen 68. Geburtstag. Da darf das Jackett ruhig etwas um die Hüfte spannen. Irgendwann fällt es dann der Hitze im Zelt zum Opfer. Und Hoffmann steht im Hemd da. Begleitet vom ironisch-frivolen Jubel der versammelten Damen. Der Sänger nimmt es gelassen. Er weiß, er sieht schließlich immer noch fantastisch aus. Fast so wie Heidi Klum, findet er. Allerdings hätte er sich früher mal hinter einem Besen verstecken können. Heute, muss er zugeben, bräuchte er dafür schon eine Kehrmaschine.
07./08.03.2019 Berliner Zeitung:
Alle haben eine Sehnsucht
Klaus Hoffmann in der Bar jeder Vernunft
Von Irene Bazinger
Kann man Klaus Hoffmann als Urgestein der deutschen Liedermacherszene bezeichnen? Einerseits ja, weil er schon so lang dabei ist, andererseits jedoch auf gar keinen Fall, denn dafür ist er viel zu wenig "ur" und viel zu wenig "Stein", sondern wendig, geschmeidig, lebendig und trotz seiner bald siebzig Jahre jugendlich rebellisch und frohgemut unkonventionell.
Davon kann man sich in der Bar jeder Vernunft überzeugen, wo er jetzt mit seinem Konzertprogramm "Aquamarin" gastiert. Begleitet von Hawo Bleich am Klavier, spannt er einen weiten Bogen von den alten zu den neuen Liedern. Dazwischen erzählt er fragmentarische Geschichten von seiner "großen Flucht ins Leben" und in die Kunst, erinnert sich an seine Eltern und die Zeit vor dem Bau der Berliner Mauer, und wie es dann war, als die Verwandten "drüben" waren. Klaus Hoffmann ist einfach ein Gesamtberliner, der in den witzigen Conferenzen gekonnt mit dem Publikum schäkert, das ihn von Anfang an mit Sympathie und Liebe umfängt und für jeden Schabernack zu haben ist.
"Macht nüscht", sagt er augenzwinkernd, wenn der Saal trotzdem nicht so schnell mitsingt, wie er das gern hätte. Kleine Pausen erhöhen die Spannung, er spricht die Sätze manchmal nicht zu Ende, deutet die Pointen nur an - und wird dennoch verstanden, weil die knappen Szenen wirklich gekonnt gebaut und gedichtet sind. Mit verletzlicher Innigkeit und freundlicher Ironie singt er von tiefen Leidenschaften und verzehrenden Emotionen, von den Männern seiner Mutter, von sozialen Außenseitern oder vom Mond über Berlin - und hat eine Hommage an Charles Aznavour geschrieben, "Du siehst aus wie Papa".
Klaus Hoffmann haut kräftig in die Gitarrensaiten und singt mit vokaler Emphase, erscheint dabei aber stets schwebend und schwärmerisch, mehr daheim in seinen Träumen und Gefühlen als im Alltagsgetriebe der Welt. "Wir haben alle eine Sehnsucht", erzählt er zwischendurch, und das ist genau die Stimmung, die seine Lieder und Reflexionen prägt - ehrlich, verrückt, unsentimental. Vom Klavier aus unterstützt ihn vertraut und vergnügt sein langjähriger musikalischer Partner Hawo Bleich, und es ist eine Freude, den beiden bei der fließenden konzertanten Interaktion zuzuhören.
Hoffmann sagt zu Beginn, dass er bis heute vor jedem Auftritt aufgeregt sei "wie ein Kind", und was danach passiert, ist auch leicht und flüchtig wie ein schönes Kinderspiel: Es bleibt hängen, ohne zu beschweren, und es macht Spaß, ohne zu unterfordern. Der immergrüne Klaus Hoffmann weiß eben, was gut ist - und wie man's charmant unter die Leute bringt.
07.03.2019 Der Tagesspiegel:
Ein Herz wie ein Bahnhof
Da ist er wieder: Klaus Hoffmann, geboren in Charlottenburg, wohnhaft in Kladow. Seit 40 Jahren steht er auf der Bühne. Hat mit seiner Klampfe von den West-Berliner Hippie-Spelunken der Siebziger bis zum Friedrichstadt-Palast von heute unzählige Bühnen der Stadt durchmessen. Ist als Schauspieler, Chansonnier und seit ein paar Jahren auch als Romanautor aktiv. Kurz, Klaus Hoffmann ist neben Reinhard Mey, der unermüdlichste Berliner Liedermacher. Und natürlich längst zu zeitlosen Klassikerwürden gelangt. Was den 1951 geborenen Sänger nicht davon abhält, mit "Aquamarin" ein neues, zeitgleich auch als Album vorgelegtes Programm herauszubringen. Es ist der dritte Teil einer zuvor schon die Alben "Sehnsucht" (2014) und "Leise Zeichen" (2016) umfassenden Trilogie. Dominiert auf der Platte ein Bett aus melodiösem, akustisch akzentuierten Gitarrenpop, lässt Klaus Hoffmann sich in der Bar jeder Vernunft dann aber puristischer, chansonesker begleiten. Und zwar von seinem langjährigen Pianisten Hawo Bleich. Schön, dass die Setlist neben neuen Liedern und der Hommage an Charles Aznavour "Du siehst aus wie Papa" auch Klassiker verheißt. Dazu gehören "Salambo", "Blinde Katharina" und das Liebeslied "Weil du nicht bist wie alle andern" mit der assoziationsreichen Strophe "Weil du ein Herz hast wie ein Bahnhof,/aus dem ein Zug auf Reisen geht./Und meine Stimme sagt: fahr nicht los,/wenn du für immer von mir gehst." Keine Frage, dass einer wie er niemals in Liedermacherrente geht. "Du brauchst ja was, was dich am Leben hält", sagt er.
Gunda Bartels
04.03.2019 - Lübecker Nachrichten
Kultur im Norden Konzert Klaus Hoffmann: Der mit den stillen Liedern
Als Liedermacher der alten Schule begeisterte Klaus Hoffmann die Zuhörer in der Lübecker Musik- und Kongresshalle mit neuen Songs und bekannten Liedern zum Mitsingen. Am Ende dankte das Publikum dem 67-Jährigen mit Ovationen im Stehen.
Klaus Hoffmann berührt seine Zuhörer immer noch mit seinen Songs.

Klaus Hoffmann ist einer der letzten in einem schon fast ausgestorbenen Beruf: Liedermacher. Seit über 50 Jahren ist er im Geschäft, jedes Jahr gab er ein Album heraus. Nun ist er wieder auf Tournee, um seine neue CD „Aquamarin“ vorzustellen. In der Musik- und Kongresshalle in Lübeck dankte das Publikum mit Ovationen im Stehen.

Klaus Hoffmann, inzwischen 67 Jahre alt, hat nie zu den Aufrührern gehört. Anders als einige seiner Weggefährten, zu denen Hannes Wader gehört. Der habe ihn einmal aufgefordert, sich um Mao Zedong zu kümmern, erzählt Hoffmann dem Publikum: „Ich wusste nicht einmal, wer das war.“ „Ich war der mit den stillen Liedern.“

Das hat sich bis heute nicht geändert. Hoffmann steht für das Menschliche und Zwischenmenschliche, er ist ein singender Weichmacher. Begleitet von Hawo Bleich am Flügel erfüllt er den Saal. Bei dem Liebeslied „Für dich“, einem der schönsten Songs auf dem neuen Album, ist förmlich zu spüren, wie die Temperatur ein wenig steigt. Doch so ganz ohne Einmischung in die Politik aber kommt auch ein Klaus Hoffmann nicht aus. Er wendet sich gegen die AfD und singt gegen andere politisch Rechte („Stein auf Stein“). Aber es bleibt bei einigen wenigen kurzen Ausflügen.

Witz und Spott verhindern, dass der Abend allzu rührselig wird. Mal bekommt ein weiterer Weggefährte sein Fett weg. Karl Dall habe mal ein Auge auf ihn geworfen, frotzelt der Mann auf der Bühne. Dann wieder ist er selbst dran. Früher habe er sich hinter einem Besenstiel verstecken können, sagt der Liedermacher, heute müsse es schon eine ganze Kehrmaschine sein.

Wenn Klaus Hoffmann ein Konzert gibt, dann erfährt das Publikum auch viel aus seinem Leben. Von seiner Kindheit in Berlin, dem frühen Tod des Vaters, seiner Sturm- und Drang-Zeit, in die eine Reise nach Afghanistan fällt. Und er singt auch immer wieder ein paar ältere Songs, ganz große Erfolge wie „Blinde Katharina“ oder seine Version des Jacques-Brel-Titels „Amsterdam“. Bisweilen singt das Publikum leise mit. So auch, wenn der Liedermacher „Gerda“ anstimmt, die tanzen soll die ganze Nacht. Dann kommt der Refrain aus dem Saal.

Hoffmann spielt mit dem Publikum. Als ein Sirtaki erklingt, weist er es in seine Schranken: „Bloß nicht tanzen.“ Das klingt strenger als es ist, denn der Liedermacher überschreitet nie die Grenze der Wohlanständigkeit.

Auch darin ist er sich treu geblieben. Er ist er noch immer gut bei Stimme. Und er kann noch immer diesen blauäugigen Blick. Ein grundsympathischer Kerl, der das Böse verbannt, jedenfalls für ungefähr zweieinhalb Stunden. So einem verzeiht man selbst Übertritte in den Kitsch, (. . . auch wenn heute Nacht der Regen weint, ich bleib bei dir, bis die Sonne scheint.“). Erst nach mehreren Zugaben ging es dann hinaus in die wirkliche Welt.
Liliane Jolitz
01.03.2019 - Lübecker Nachrichten
Die Farben des Klaus Hoffmann
Er liebt Hellgrün und Blassblau: Mit seinem neuen Programm "Aquamarin" greift der Liedermacher am Sonntag in Lübeck Themen seiner Kindheit auf
Am Sonntag, 3. März, stellt der Liedermacher Klaus Hoffmann in der Musik- und Kongresshalle sein neues Programm „Aquamarin“ vor. Im LN-Interview spricht er über die Farben seiner Kindheit, Hunger, politische Haltung und seine Lust, wieder mal in einem Film mitzuspielen.
Völlig entspannt, aber mit Haltung: Klaus Hoffmann bezieht in seinen Liedern Stellung, möchte aber keinen belehren.

Er ist Schauspieler und Sänger, Schriftsteller und Liedermacher: Klaus Hoffmann liebt die Bühne. In den 1960er Jahren hatte er erste Auftritte in Berliner Clubs, er studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar und hatte seinen Durchbruch mit der TV-Adaption von Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“ Seit den 1980er Jahren konzentriert er sich auf seine Lieder, hat mehr als 40 Platten veröffentlicht. Im neuen Album „Aquamarin“ greift er Themen seiner Kindheit auf und singt über alles, was ihn bewegt.

Herr Hoffmann, Aquamarin gilt als Mutter aller Edelsteine. Wie kamen Sie auf diesen Titel?

Entweder träum’ ich so einen Titel oder er ist einfach da. In diesem Fall war er da. Aquamarin ist für mich ein Bild für ein Kind, das einen Glücksstein findet, der es begleitet. Ich hab dann später rausgefunden, dass der Aquamarin auch der Glücksstein der Seeleute ist, das passt alles irgendwie gut zusammen.

Haben Sie sich beim Schreiben der Songs an Ihre Kindheit erinnert?

Das bleibt nicht aus. Der Chansonnier Jacques Brel, den ich ja immer im Gepäck habe, hat gesagt, dieses Kind in ihm sage ihm immer was und er müsse das jetzt machen. Das fand ich sehr bedenklich.

Was sagt Ihnen Ihr inneres Kind?

Ich merke, dass die Erfahrungen, die ich gemacht habe, mit Eltern, Geld, Hunger, Berlin, dass die in einem bleiben.

Sie hatten als Kind Hunger?

Ja, ich hatte oft Hunger, und diese Erfahrung bleibt ein Leben lang.

Essen Sie deshalb jetzt immer alles auf?

Ich bemühe mich, es nicht zu tun.

Aus Gewichtsgründen.

Genau. Aber das Gefühl, zu wenig zu haben, bleibt. Es bleiben viele Dinge in meinem Regiebuch. Familie, Trennungen, Freunde, Ostern, Weihnachten. Auch Farben.

Was für Farben?

Ich habe eine Osterfarbe, die ich immer liebte. Helles Grün. Ich hatte das schon als Junge. Da ging bei mir das Herz auf.

Haben Sie auch eine Assoziation zu dem Blassblau des Aquamarin?

Das ist ja eine sehr männliche Farbe, mittlerweile habe ich gemerkt, dass es meine Lieblingsfarbe ist. Wenn ich jetzt meine Texte ansehe, schimmert die Farbe überall durch.
Am Sonntag in der MuK

„Aquamarin“ist der dritte Teil einer Trilogie. Nach „Sehnsucht“ und „Leise Zeichen“, wie die letzten beiden Alben hießen, schließt Klaus Hoffmann den Kreis zwischen den Anfängen, der Zeit des Aufbruchs und der Entwicklung zum Chansonnier und Entertainer. Die klassischen Einflüsse, die schon zu Beginn in „Was fang ich an in dieser Stadt“ seine Musik prägten, vereinen sich hier mit Elementen aus Rock und Blues. Sein langjähriger Musiker-Freund Hawo Bleich begleitet ihn am Flügel und Keyboard. Am Sonntag,3. März, beginnt das Konzert in der MuK um 19 Uhr. Karten gibt es für 21,30 bis 42,20 Euro hier

Vor zwei Jahren hatten Sie in Ihrem Programm auch politische Lieder, etwa zum Thema Flüchtlinge. Beziehen Sie jetzt wieder Stellung?

Vordergründig politisch bin ich nicht, ich will keinen belehren. Aber einen Standpunkt habe ich natürlich, und der kommt in meinen Liedern zum Ausdruck. Ich singe jetzt zum Beispiel wieder ein altes Lied, „Stein auf Stein“, das hatte ich nach der deutschen Vereinigung geschrieben. Das hat heute wieder eine ganz starke Bedeutung. Es geht darin um Fragen wie: Warum wird so viel polarisiert? Warum wird das Laute viel stärker wahrgenommen als die leisen Zeichen?

Sie waren als Schauspieler erfolgreich, standen an der Volksbühne und am Thalia Theater auf der Bühne. Reizt es Sie, wieder mal zu spielen?

Ich habe ja als Sänger weiter meine Rolle, ist stehe auf der Bühne, ich mache Theaterarbeit. Aber ich würde auch sehr gerne wieder drehen.

Werden Ihnen Rollen angeboten?

Ja, ich hatte gerade wieder Gespräche. Aber wenn es dann konkret wird, muss man Farbe bekennen, und dann passt es oft mit den Terminen nicht. Jemand hat mir gesagt, dass die Rollen auf einen zukommen, und das ist wohl auch so. Mal sehen.

Petra Haase
28.02.2019 - Berliner Zeitung:
Für immer und immer, Klaus Hoffmann gastiert an fünf Abenden in der Bar jeder Vernunft
Von Harry Nutt
Als man glaubte, sich an den Liedern von Klaus Hoffmann sattgehört zu haben, wurde er auch schon einmal als "Botschafter für innere Angelegenheiten" oder gar als "singende Wärmflasche" tituliert. Klaus Hoffmann erzählt von derlei Schmähungen gern selbst. Als Charlottenburger Kind aus einem kleinbürgerlichen Elternhaus hat er sich nie lange damit aufgehalten, wehleidig zu sein. Und als Sänger im vorangeschrittenen Alter von 67 Jahren weiß er längst, dass es in einer künstlerischen Karriere nicht immer steil nach oben geht.
Schon sehr früh hat er eigene Lieder darüber geschrieben. In dem Stück "König der Kinder" besingt er einen Straßenmusiker, der sich durch die Berliner Hinterhöfe quält, um auf die Groschengunst der Hausbewohner zu hoffen. Was ihn aufleben lässt, sind die Momente, in denen ein paar Kinder ihm zuhören und seine aufflackernde Inbrust für große Kunst halten. In diesen Augenblicken, sagt Hoffmann mit seinem kleinen Lied, ist der Gesang des Musikanten genau das.
Klaus Hoffmann hat viele solcher Lieder gesungen, abgeguckt aus seinem Berliner Alltag, voller Wehmut und Sehnsucht waren sie Ende der 70er-Jahre adäquate Versuche, das soziale Herkunftsmilieu mit unprätentiöser Poesie aufzuladen. Mit den Kollegen, die es ganz ähnlich taten, Reinhard Mey und Hannes Wader, war Klaus Hoffmann befreundet. Wer sich zu der Zeit Liedermacher nannte, wohnte ohnehin in West-Berlin, zumindest vorübergehend.
Die nötige Selbstsicherheit aber bezog Klaus Hoffmann aus der behutsamen Adaption der Chansons von Jacques Brel, obwohl es das französischsprachige Liedgut in Deutschland immer recht schwer hatte. Hoffmann jedoch übersetzte Lieder mit "Amsterdam" nicht nur, er eröffnete ihnen auch einen neuen Klangraum im Deutschen. Das Brel-Stück "Geh nicht fort von mir" entfaltete in Hoffmanns Version trotz der ungewohnten Sprachbilder eine ganz eigene Dringlichkeit, die ihr Publikum sofort erreichte.
Das war Klaus Hoffmann jedoch nicht genug, er hatte vielfältige künstlerische Ambitionen. 1970 begann er eine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule in West-Berlin, etwas später erhielt er Engagements an der Freien Volksbühne unter Kurt Hübner und bei Boy Gobert am Hamburger Thalia Theater. Er übernahm Nebenrollen im Film, u.a. in Ingmar Bergmans in Deutschland gedrehten Film "Das Schlangenei". Der filmische Durchbruch verlief dann aber über die Titelrolle in der Verfilmung von Ulrich Plenzdorfs Roman "Die neuen Leiden des jungen W.", der in Ost und West gleichermaßen zum Kultbuch wurde. Der junge Klaus Hoffmann verkörperte diese Rolle auf überzeugende Weise. Er sah verführerisch jugendlich aus, und so gelang ihm dann auch scheinbar mühelos der Sprung aus der Goethezeit zurück auf die Showbühne.
Ab Mitte der 70er-Jahre besaß Klaus Hoffmann dann auch genügend performative Souveränität, die Brel-Lieder mit überwiegend eigenen Kompositionen zu kombinieren. Das Live-Doppelalbum "Ich will Gesang, will Spiel und Tanz" markiert wohl auch deshalb den Höhepunkt seines Erfolgs bei einem großen Publikum, weil er seinen Stücken einen zu dieser Zeit eher ungewohnten orchestralen Sound verlieh. In "Blinde Katharina" ("In ihrer Elt sind viele Wände, die sieht sie bloß nicht mehr") etwa verstand es Klaus Hoffmann, ein körperliches Handicap mit seelischen Defiziten in Verbindung zu bringen, ohne dabei in emotionalen Kitsch abzugleiten. Das gilt auch für die Lieder, in denen er berlinert ohne sich anzubiedern. Das Album "Westend" (von 1979) hat denn auch noch gar nichts von der heute sehr häufig eingesetzten Berlin-Fühligkeit, eher ist es die zurückgenommene Bearbeitung einer durchlittenen Hassliebe, die Klaus Hoffmann vorübergehend bis nach Aghanistan trieb. Das Cover von "Westend" wiederum zeigte den Sänger, wie in einem leeren alten S-Bahn-Waggon sitzt und sehnsüchtig aus dem Fenster schaut. Diese auch durch seine Stimme transportierte Sehnsucht war es aber wohl auch, die schließlich auch den uncharmanten Wärmflaschen-Vergleich hervorrief.
Auf seinem jüngsten Album "Aquamarin" kehrt Klaus Hoffmann musikalisch und lyrisch zu seinen Anfängen zurück, und man hört es nicht ohne eine gewisse Rührung, dass die Stimme brüchiger, der dazugehörige Körper etwas unbeweglicher geworden ist. Klaus Hoffmann, der in Interviews noch immer mit dem juvenilen Edgar-Wibeau-Image aus der Plenzdorf-Verfilmung konfrontiert wird, fügt sich längst ein in das geläufige Chanson-Schema, für das es kein Altern gibt, sondern nue verschiedenen Reifegrade.

Klaus Hoffmann - Aquamarin 5., 7., 8., 9. und 10. März 20 Uhr, Bar jeder Vernunft, Schaperstraße 24, T.: 885 69 20
18.02.2019 Osnabrücker Zeitung: Inneres Kind bewahrt - Klaus Hoffmann zeigt viel Gefühl beim Konzert in Lingen
Mit routinierter und immer noch unglaublich verspielter, gestenreicher Leichtigkeit schuf Klaus Hoffmann im fast ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe von der ersten Minute seines aktuellen Programms "Aquamarin" eine emotionale Nähe und Dichte zum Publikum, mit der er den Saal schnell beseelte.
von Meike Blunk
Dies ist eines von Hoffmanns charakterisierenden Merkmale. Er strahlt Wärme, Tiefgang, Leidenschaft wie auch Wachsamkeit, pure Authentizität und grenzenlose Sehnsucht aus. Einer, dem man allzu gern die eigenen Zweifel sowie das Hinterfragen bestimmter gesellschaftlicher Prozesse und Strömungen anvertrauen möchte, da er genau dies immer wieder, seit mehr als vierzig Jahren, auf wundervoll poetisch musische Weise leidenschaftlich gern macht. Damit berührt und begeistert er mittlerweile über Generationen hinweg.
Klartext
Hoffmanns langjähriger Klavierbegleiter Hawo Bleich eröffnete den Abend am schwarzen Flügel. Wenig später griff Hoffmann dynamisch zu seiner Gitarre und sang das in den achtziger Jahren entstandene Lied "Der Preis der Macht". Darin heißt es "Ich habe genug von Konkurrenten. Mein Kopf sagt nein; mein Bauch sagt ja!" Diesem Motto ist Hoffmann immer treu geblieben. Er zweifelt, sucht und findet und gibt sich immer wieder ganz hin. Er ist "der Narr, der große Worte baut" und der bereit ist "Für det bisschen Zärtlichkeit jeden Fall und jeden Scheiß hinzunehmen". Hoffmann ist ein sanfter, wacher Freigeist, der mit Berliner Schnauze zu folgen versteht. Solche Menschen sind rar. Und deshalb liebt ihn sein Publikum. Die meisten tatsächlich schon über vier Jahrzehnte lang (so wie die Rezensentin auch).
Sein inneres Kind hat Hoffmann stets in sich bewahrt, es beschützt sowie ihm freien Fall gelassen. Es mischt sich auch immer wieder in die Erzählungen, in denen Hoffmann über seine Wurzeln und biografischen Stationen berichtet, ein. Die Kiste, die das Kind Klaus damals vergraben hatte, ist für Hoffmann heute noch ein wahrer Aquamarin, weil sie für ihn damals alles war. Ebenso, wenn er in Kinderaugen "das Zerbrechliche, die Hoffnung und die Zuversicht" zu erkennen vermag.
Drei Zugaben
Das Publikum sog gebannt seine Erzählungen, in denen es immer wieder um seinen früh verstorbenen Vater geht, in sich auf und sang gern bei Liedern wie "Hanna"; "Blinde Katharina" oder "Amsterdam" (Lied von Jacques Brel, das Hoffmann ins Deutsche übersetzte) mit. Andächtiges Lauschen war bei den neuen Liedern wie "Die Mondin ist ein kalter Stein" oder "Für immer und immer" wahrzunehmen. Im Lied "Stein auf Stein" ging es um den zunehmenden Rechtsruck "Sie sind gefährlich, die da nach Ruhe und Ordnung schrein und neue Zäune wolln". Drei Zugaben (u.a. "Derselbe Mond") gaben die exakt aufeinander eingespielten Musiker vor dem stehend klatschenden und sehr berührten Zuschauern.
16.02.2019,Mannheimer Morgen -
Chansons Klaus Hoffmann berührt Publikum im Capitol
Würdigung von Vätern
Papa ist allgegenwärtig. Als er starb, war der Liedermacher zehn Jahre alt. Doch auch mehr als fünf Jahrzehnte später kann Klaus Hoffmann ihn in Erzählungen so sehr lebendig machen, genauso wie die Kindheit im Nachkriegsberlin. Im voll besetzten Capitol beseelte der 67-jährige seine Zuhörer mit Pianist Hawo Bleich einen Konzertabend lang, als wären all die Jahre ein berührendes Märchen.
Gut die Hälfte der Titel des neuen Albums "Aquamarin" schaffen es auf die Bühne, aber natürlich hätten sie auch ein paar "alte Kamellen" wie "Katharina" und "Gerda" mitgebracht, plaudert Hoffmann, wie immer auch optisch im dunklen Anzug der formvollendete Entertainer. So einlullend wie berührend fließt der Abend dahin.

Prägung durch Jacques Brel
Hoffmann, dessen Geschichten so real sind wie selbst erlebt, streut zwischen den Gesang melancholische Gedanken. Sein komisches Talent hilft ihm, die Melancholie immer wieder aufzubrechen und Leichtigkeit einzuschieben. Mit dem wunderbaren Liebeslied "Für Dich" geht der Abend langsam seinem Ende entgegen. Viele werden an mehreren Stellen an den eigenen Vater gedacht haben: Zum Beispiel bei der musikalischen Hommage an einen der musikalischen Väter des Künstlers, der wie immer am Flügel von Hawo Bleich begleitet wurde: Charles Aznavour. "Du siehst aus wie Papa" heißt der leichtfüßig daherkommende Titel, den Hoffmann mit schwingenden Hüften unterstreicht und Bleich fingerfertig über die Tasten flitzen lässt. Jacques Brel, der noch wichtigere musikalische Vater des Berliners, ist mit den "Kais von Amsterdam" natürlich ebenfalls an diesem Abend dabei.
miro
09.02.2019, Badische Neueste Nachrichten: Abend mit Tiefgang -
Klaus Hoffmann begeistert im Kurhaus
Wenn Malene träumt oder Gerda tanzt, dann singt der Saal. Einen eindrucksvollen Beweis dafür, dass seine Lieder zu Herzen gehen und offenbar auch im Kopf Wurzeln schlagen, legte Klaus Hoffmann ab, als er im Kurhaus in Baden-Baden mit Pianist Hawo Bleich den "Aquamarin" in den Runden Saal trug. Ein bunt bebildertes Kaleidoskop aus Geschichten, die sein Leben schrieb, aus Menschen, die er traf und vor allem aus Songs, die er schrieb, erwartete die Gäste, die zweifellos nicht das erste Mal eine Begegnung mit Klaus Hoffmann hatten. Zeit genug zum Kennenlernen gab es zuvor reichlich. Denn der Sänger und Liedermacher, Jahrgang 1951, hat seinen sensiblen Blick für seine Umwelt, für die Menschen, die sich darin bewegen und er vermag es auf einfühlsame Weise die Begegnungen in Worte zu fassen.
Genau wie die blinde Katharina ihn bei der Hand nehmen soll, so führt auch er seine Zuhörer in eine neue Welt und öffnet die Augen für so manche Randfigur. Da ist etwa Hanna, die im Bademantel mit einer Papierkrone auf dem drogenverkorksten Kopf durch die Straße schreitet, der Leierkastenmann, den die Kinder lieben und verehren, während er nebenan nur "der Bettler" ist, der für ein paar Groschen die Kurbel dreht. Klaus Hoffmann erzählt von ihnen, von ihren Geschichten, vor allem aber auch aus seinem eigenen Leben und nicht zuletzt von einem kleinen Aquamarin. Der fand sich in einer kleinen Schachtel wieder, in welcher er Kindheitserinnerungen aufbewahrt hat, ein Bilderbuch etwa, aber auch andere Schätze, so wie jenen Stein, den er zwischen Zeigefinger und Daumen nimmt, um das winzige Ding den Zuschauern zu zeigen, ehe es wieder in seiner Hosentasche verschwindet.
Ein echter Kennenlernabend mit Tiefgang also. Vom Knaben, der im zerrissenen Berlin aufwächst, mit den Eltern bei "seinen Leuten" zu Tisch sitzt, Gemeinschaft erlebt und Geborgenheit, ehe der Vater stirbt und die Mauer wächst, "Stein auf Stein". Ein Lied, das unter die Haut geht und nicht ohne einen mächtigen Seitenhieb politischer Natur auskommt. "Und deshalb wählen wir nicht die AfD", hängt er kurz an, hält sich ansonsten auf erfrischende Weise mit Parolen zurück, appelliert vielmehr an die Emotionen seines Publikums, das in wohlklingenden choralen Einlagen zeigt, dass es nicht nur textsicher im Hoffmannschen Liedgut ist, sondern dem Barden damit zugleich ein hohes Maß an Respekt zollt. Der braucht nur einige wenige Handbewegungen und kontrolliert den sich spontan in den Rängen gebildeten Chor bravourös, fast so als habe man die Einlagen miteinander sorgfältig einstudiert.
Es fühlt sich einfach alles gut an. Denn immer wieder treten die guten alten Moralvorstellungen zu Tage, zeigt Hoffmann Herz und sich selbst als Mensch. Der Schmerz um den jung verstorbenen Vater, der bewegt noch immer. "Vergiss nicht wer Du bist und wo Du herkommst", lautet der Tenor, wenn er mitnimmt in seine Vita, zu der auch die spleenige Idee gehört mit einem alten VW Käfer nach Indien zu reisen. Ob das wohl wirklich so war? Spielt ja auch gar keine Rolle.
Vielmehr kommt es doch auf die Songs an, die so herrlich authentisch wirken, die sofort Bilder erzeugen, die wunderbar von Worten und Melodie getragen werden, wie etwa "Die Männer meiner Mutter" oder "Für das bisschen Zärtlichkeit", mit dem er sich in das Leben weiterer Randfiguren der Gesellschaft hineinfühlt und die Gerechtigkeit mit sanfter Hand herbeisehnt. Ein wohlig-warmer Abend, der unter die Haut ging, immer wieder berührte und zum Lachen brachte. Denn das hat er drauf, der Klaus Hoffmann. Mit den Menschen zu reden, mit den Menschen zu leben, ohne abgehoben zu wirken. Und das kam an, wie sich bei den lautstark herausgeklatschten Zugaben zeigte.
Christiane Krause-Dimmock
09.02.2019, Badisches Tagblatt:
Klaus Hoffmann blickt zurück und nach vorne
Seine neuen Lieder lesen sich wie ein wunderbarer Gedichtband
Von Regina de Rossi
Baden-Baden - Wieder einmal kam Klaus Hoffmann in die Stadt Baden-Baden, von der er sagt:"Ich liebe sie!". Die Stadt sei eine der schönen, eine, die ihn animiere, hinauszugehen, durch die Lichtentaler Allee zu wandern, am besten in Jeans und Pullover, unauffällig. Das weiße Hemd und der Maßanzug, das ist sein Bühnenoutfit, so erkennt man ihn sofort, den Liedermacher und Autor, den Poeten und Schauspieler, der seine ersten Filmrollen in Baden-Baden gedreht hat und jetzt im Kurhaus gastierte. Doch zugeknöpft, das ist er nicht, vielleicht eher ein Nachdenklicher, einer, der die Ruhe liebt, und das wiederum kommt all denen zugute, die seine Lieder kennengelernt haben.
Klaus Hoffmann füllt Säle, er bewegt Herzen, er berührt und zeigt auf. blickt nach Vorne und holt zurück. Zurück in eine Zeit des Aufbruchs, eine Zeit der Nachkriegskinder, die ihren Eltern die neue Lust am Leben aufzeigten, den Neubeginn, trotzig, aufmüpfig, aber auch mutig.
1951 in Berlin geboren ist Hoffmann ein solches Kind, das die Nachwirkungen des Krieges mit der Muttermilch aufgesogen hat. Doch statt Lähmung ist Tatkraft angesagt, aus brauner Dunkelheit hinein ins Licht. SWpätestens, wenn man seinem Berliner Elternhaus entwachsen ist.
"Mein Vater hat mir seinen VG geliehen, seinen Käfer und mit ihm fuhren wir los, Goa war unser Ziel. ´Fahrt bloß nicht nach Indien`, rief Mutter uns nach!" Lachen im runden Saal des Kurhauses, dessen abgewetztes Parkett und die kleine Bühne einen Hauch von Nostalgie verbreiteten, passend zu Klaus Hoffmanns Reise zurück. In eine Zeit, die alle Sehnsüchte weckt, Ängste und Befindlichkeiten eines Heranwachsenden, später eines Suchenden in der Erwachsenenwelt. Einer Suche nach Liebe, nach Anerkennung, nach Antworten.
Ist das sein Geheimnis? Dass er für alle profanen Lebensfragen ein Lied parat hat? Wenn, dann nicht bewusst. Denn fragt man den Sänger, so will er einfach singen, spielen, ein singender Schauspieler sein. Er will über den Vater erzählen, den Finanzbeamten, der Geige spielte:" Weil Du nicht bist wie alle andern..", über den "König der Kinder", den "Preis der Macht". Zehn Jahre alt war er am 13. August 1961. Sein Lied dazu "Stein auf Stein. Sie sind gefährlich, die da wieder nach Ruhe und nach Ordnung schreien, ein Leben lang durckten sie nieder, was war, das soll vergessen sein".
Hoffmann nimmt mit auf eine Reise, bei der sich jeder findet, der sucht. Ganz besonders in seinen Liebesliedern: "Ich wär für jeden Scheiß bereit, für det bisschen Zärtlichkeit!", eines seiner alten Lieder, die dieses Konzert zu einem ganz besonders Schönen machen. Doch er schließt den Kreis mit seiner Trilogie aus den Alben "Sehnsucht", "Leise Zeichen" durch "Aquamarin": "In Deinen Augen ruht ein Aquamarin, ein tiefes Meer, ein sanfter Wind, der zeigt dir in der Dunkelheit, wo die Flügelmenschen sind!" Er erzählt von der Mondin, davon, was uns zusammenhält, und mahnt, nicht zu vergessen, wo man herkommt. In gewachsenen Worten, ohne Pathos. Seine neuen Lieder lesen sich wie ein wunderbarer Gedichtband. Seine Sprache ist poetisch, verwoben, und es macht Spaß, die Sätze zu entwirren, auszupacken und für sich zu entdecken wie einst die bilnde Katharina, die tanzende Gerda oder die Seeleute an den Kais von Amsterdam.
Was aber wäre dieser Abend ohne die kongeniale Begleitung von Hawo Bleich am Flügel? Seit über dreißig Jahren ist er an der Seite von Klaus Hoffmann. Eine spürbare, wohltuende Einheit. Zusammen ist ihnen im Kurhaus ein Abend gelungen, der einer Lebensreise gleicht. Die Essenz: "Für immer und immer bleiben unsere Träume bestehen. Werden über alle Himmel und alle Meere ziehn".
08.02.2019, Badische Zeitung:
Glücksstein der Seeleute mit Tiefe und Ausdruck - Klaus Hoffmann, ein überaus produktiver Musiker, im Burghof
Klaus Hoffmann plaudert zwischendurch aus seinem Leben
Von Sandra Raith
Mehr als drei Jahre ist es her, dass Klaus Hoffmann im Burghof aufspielte, damals begeisterte er das Publikum mit seiner Neuerscheinung "Sehnsucht". Diesmal hat der deutsche Chansonnier und Liedermacher sein im Oktober 2018 veröffentlichtes Album "Aquamarin" im Gepäck, das er wieder auf einer großen Deutschlandtournee vorstellt. Überhaupt ist Hoffmann ein überaus produktiv: Der 1951 in Berlin geborene Vollblutkünstler hat bis heute mehr als 30 Alben eingespielt und etliche Musikpreise verliehen bekommen. Dessen nicht genug, gehen die Talente des Klaus-Dieter Hoffmann über die Musik hinaus, auch als Schauspieler errang er Ruhm auf den Bühnen und im Film, seine Darstellung der Titelfigur in Plenzdorfs Verfilmung "Die neuen Leiden des jungen W." ist legendär, für diese Rolle erhielt er sowohl den "Bambi" als auch die "Goldene Kamera".

Fast nicht nötig zu erwähnen, dass Klaus Hoffmann nicht nur Sänger und Schauspieler ist, denn, man ahnte es fast, auch etliche, teils biografische, Bücher hat er geschrieben. So erklärt sich, dass Klaus Hoffmann eine feste und tief verbundene Fangemeinde hat, die auch beim Auftritt am frostigen Mittwochabend den großen Saal im Lörracher Burghof gut füllt. Die Vorfreude ist groß, eine Besucherin, die das Konzert mit ihrem Partner besucht, scherzt: "Ich bin schon seit den 70er-Jahren großer Fan von Klaus Hoffmann und als ich meinen Partner kennenlernte fand ich es toll, als ich feststellte, dass er eine Klaus Hoffmann-CD hatte. Aber wahrscheinlich wusste er genau, dass keine Frau dieser Stimme widerstehen kann."

Mit an Hoffmanns Seite ist Hawo Bleich am Flügel, der den Sänger gekonnt, aber niemals aufdringlich, musikalisch begleitet. Seit 30 Jahren kennen sich die beiden, erzählt Hoffmann zu Beginn, das hört man, weil man eben nichts hört, das stört, sondern zwei Musikern begegnet, deren Musik miteinander fließt.

Das neue Album "Aquamarin" ist bezeichnend für das Schaffen des Musikers, denn der Aquamarin ist der Glücksstein der Seeleute. Nicht nur durch seine beliebten Seemannslieder passt dieser Stein ganz besonders zu Hoffmann, auch Themen wie Fortgehen, das Reisen und Lernen aber auch das Ankommen, sei es bei sich oder daheim, kennzeichnen viele der gefühlvollen Lieder des Sängers. Einige Lieder trägt er daraus vor, auch eine seltene Coversion des Welthits "The Moon is a Harsh Mistress" (Jimmy Webb), den Hoffmann, der zumeist seine Lieder selbst komponiert und schreibt, mit "Die Mondin ist ein kalter Stein" übersetzt und neu interpretiert.

Am Ende war es ein rundes Konzert, bei dem die Fans mehr als auf ihre Kosten gekommen sind. Die Stimme ist nach wie vor von samtiger Tiefe und ausdrucksstark und das Gitarrenspiel geht Hoffmann locker von der Hand. Zwischen den Liedern plaudert er über seine Vergangenheit, viel dreht sich um die Liebe zum Vater, eine schwierige Kindheit und um Berlin, diese Themen prägten ihn und begleiten ihn nach wie vor. Zwischen den neuen Kompositionen erklingen Hits wie "Katharina", "Gerda" und viele andere, das aufgelockerte Publikum beginnt sogar mitzusingen. Insgesamt ein gelungener Liederabend.
08.02.2019, Weiler Zeitung:
Derselbe Mond, derselbe Mann -
Nach längerer Abwesenheit kam er wieder nach Lörrach: Der Berliner Sänger, Liedermacher, Autor und Schauspieler Klaus Hoffmann wurde am Mittwoch von seinen Fans im Burghof gefeiert.
Veronika Zettler

„Das ist derselbe Mond ... derselbe Mond...“ Die Zuhörer singen inbrünstig mit, als er das Liebeslied anstimmt. Das ist derselbe Mann, möchte man anfügen. Denn eines ist offensichtlich: Hoffmann ist sich treu geblieben. Seinem Stil, seiner unverbrüchlichen Romantik und seinen Erinnerungen, an denen er die Fans seit über 40 Jahren teilhaben lässt.

Puristisches Bild

Mit Anzug und Gitarre steht der 67-Jährige auf der Bühne – diesmal ohne Band, dafür mit Hawo Bleich am Flügel: Die beiden sind ein eingespieltes Team, das keine Pannen fürchten muss.

Über 40 Alben hat er veröffentlicht. Deren jüngstes mit dem Titel „Aquamarin“ stellt er im Burghof vor. Und packt zur Freude der Fans zwischen neue, hörenswerte Nummern wie die Jimmy Webb-Adaption „Die Mondin ist ein kalter Stein“ viele alte Hits, die sich stilistisch nahtlos einfügen.

Mit rauer gewordener, aber unvermindert sonorer Stimme, singt und erzählt sich Hoffmann durch Kindheit, Karriere und große Lieben. Vor allem die zu seiner Frau, der er gegen Schluss das Lied „Wenn Malene träumt“ widmet.

Doch zunächst geht es weit zurück. Zum Tod des Vaters im Jahr 1961, an den er in so vielen Songs erinnert, zu dem im gleichen Jahr beginnenden Mauerbau, der im Stück „Stein auf Stein“ thematisiert wird, und zum Leben im geteilten Berlin. Mit einem Frühlingslied, das er „mit fünf oder sechs Jahren schrieb“, bekommen die Zuhörer einen unmittelbaren Einblick in die damalige kindliche Gedankenwelt.

1975 – kurz bevor Hoffmann den Edgar Wibeau in Plenzdorfs „Neuen Leiden des jungen W.“ spielte – veröffentliche er unter dem Titel „Klaus Hoffmann“ sein bahnbrechendes Debütalbum. Daraus spielt er im Burghof unter anderem „König der Kinder“ und bringt mit „Weil Du nicht bist wie alle anderen“ vom 1979-Album „Westend“ einen weiteren Klassiker. Nicht der einzige, den die Fans textsicher mitsingen.

„Jetzt kommt eine uralte Kamelle“, kündigt Hoffmann die Nummer „Hanna“ (1978) an. Auch die erkennen die Zuhörer nach drei Akkorden, ebenso „Gerda“ und die Hymne „Für det bisschen Zärtlichkeit“, in der Hoffmann die Sehnsucht nach Liebe allen Stürmen und Moden entgegenhält.

"Ich wäre wahrhaft verstummt"

Das Politische ist – zumindest im Lied – nur die Randnotiz, die für Lebensumstände sorgt. „Wir wollten frei von den ‘ismen’ sein“, erinnert er sich an seine jungen Jahre. Auch 1968 habe er nicht zu den rebellischen Geistern gehört, erzählt er und bekennt: „Hätte ich nicht die Gitarre gehabt, ich wäre wahrhaft verstummt.“

So aber tummelte er sich in den Clubs, entwickelte seinen eigenen Stil und brachte wie kein Zweiter den gefühlvoll-dramatischen Gestus der französischen Chansonniers und italienischen Cantautori in die deutsche Liedermacherkultur. Vom unlängst verstorbenen Charles Aznavour, neben Jacques Brel eines seiner großen Vorbilder, hat er im Laufe der Jahre viele Lieder gesungen. Im Burghof widmet er ihm den Song „Du siehst aus wie Papa“.

Gute zwei Stunden lang verbreitet Hoffmann die Melancholie, die seine Fans lieben. Ein allzeit selbstironisches Augenzwinkern sorgt dafür, dass es nirgends zu süßlich wird. Auch wenn er hier und da nur knapp am Kitsch vorbeischrammt. Kollisionsgefahr droht vor allem da, wo Hawo Bleich, der kongeniale Co-Autor vieler Songs, zusätzlich Streicherklänge aus dem auf dem Flügel platzierten Synthesizer holt. Aber auch da bleibt Klaus Hoffmann sich treu. Und seinen Fans, die ihn gerade für seinen Mut zum großen Gefühl verehren.
Neue Osnabrücker Zeitung, 10.12.2018 -Taugenichtsroman - Klaus Hoffmann garniert in Osnabrück Lesung mit Liedern
Von Tom Bullmann
Aus seinem Roman „Afghana“ las der Liedermacher und Schauspieler Klaus Hoffmann im Steigenberger Hotel Remarque - und verzierte das Vorgetragene mit diversen Liedern.
Ein kurzes Zitat des Künstlers reichte, um das Publikum dazu zu animieren, mit ihm zusammen ein beliebtes Gedicht aufzusagen: „Dunkel war´s, der Mond schien helle…“.
Eine lockere, freundschaftlich-familiäre Atmosphäre herrschte im Steigenberger Hotel Remarque, als dort Klaus Hoffmann zu Gast war. Zu einer musikalischen Lesung hatte das Haus eingeladen und so betrat der Berliner Liedermacher und Schauspieler die für ihn präparierte Bühne, um von einer Reise nach Asien zu erzählen. Von der Heimatstadt Berlin, die der Protagonist Paul Lachmann verlässt, um mit seinem Kumpel Siggi nach Goa aufzubrechen, dem „Freiland“, dem indischen Hippieparadies der 60er-Jahre. Wer es nicht schon wusste: „Afghana“, der Roman von Klaus Hoffmann aus dem Jahr 2000, ist autobiographisch. Und so gerät die Lesung des „Taugenichtsromans“ zu einer Mischung aus Rezitation, sehr persönlicher Erzählung und lockerer Plauderei: Von der Busfahrt im Doppeldeckerbus in Berlin, dem Telefonieren mit dem „Trevira-Telefon“ bei seiner „Königinmutter“, bis hin zu Christina, dem Hippiemädchen in Afghanistan, mit dem der junge Hoffmann den Sonnenaufgang über dem Tal von Bamyan erlebt, geht die unterhaltsame Reise. Charmant garniert der Autor das Vorgetragene mit amüsanten, selbstironischen und bisweilen auch nachdenklichen Bemerkungen. Und dann greift er natürlich auch zur Gitarre und singt. Von Sehnsucht, von Feuervögeln und von Freiheit.
Nicht ohne Zugabe entlässt das Publikum den Künstler. Daher frönt er einer alten Angewohnheit und interpretiert mit Effet Brel-Songs. Schließlich macht Hoffmann noch ein bisschen Eigenwerbung: Das finale „Aquamarin“ ist der Titelsong seines gerade im Oktober erschienenen, neuen Albums.
Berliner Morgenpost 17.11.2018
Reise durch ein großes Werk in eine andere Zeit
Klaus Hoffmann präsentiert ein Best-of in der Philharmonie
Berlin. Klaus Hoffmann ist zu Hause. Gibt ein Konzert in seiner Heimatstadt. Grüßt daher erst mal zu allen Seiten in der fast ausverkauften Philharmonie, bevor er zum Mikrofon greift und "Das ist der Kreis der Macht" abstimmt. Mit diesen typischen ausgreifenden Bewegungen, die jeden seiner Songs bebildern.
"Es ist schön, dass Sie da sind. Ich erkenne so viele Gesichter hier", sagt er erfreut. Und will nach dem Opener sofort zu den Zugaben kommen. Tatsächlich hat er für diesen Abend viele seiner beliebtesten Hits im Gepäck aus seiner über 40-jährigen Karriere. Vor allem im ersten Teil des Konzerts geht es damit auf eine Zeitreise zurück, als Berlin noch geteilt und die Welt eine andere war.

Hoffmann wäre nicht dieser wunderbare Künstler, würde er nicht die Songs nicht in eine große persönliche Geschichte einbinden. Er erzählt von den zahlreichen Liedern, die er über seine Kindheit geschrieben hat. Damals in den Fünfzigern in Charlottenburg. Und singt "König der Kinder". Begleitet von seiner fabelhaften vierköpfigen Band mit elegant arrangierten Klängen. Ein Wohlfühl-Mix aus Pop und Folk mit Jazz-Anleihen. Darüber liegt die warme, berührende Stimme Hoffmanns, der selbst oft zur Akustik-Gitarre greift.
Zwischendurch plaudert der Liedermacher über die starken Frauen und schwachen Männer seiner Familie.Er spricht auch über den früh verstorbenen Vater, der unglücklich war in seinem Beruf als Finanzbeamter und so gern seine Leidenschaft als Musiker gelebt hätte. Für ihn singt er "Weil ich du nicht bist wie alle andern". Spätestens nach dem dritten Song fühlt sich das Publikum zugehörig zu Hoffmanns Familie. Viele Zuschauer sind mit dem 67jährigen gemeinsam alt geworden, kennen ihn und seine Lieder. Auch die neuen vom gerade erschienenen Album "Aquamarin". Wie die leise Ballade "Die Mondin ist ein kalter Stein". Wehmütige Verse über die Einsamkeit.

Ein Höhepunkt ist das zarte "Bitte geh nicht fort". Die deutsche Version von Jacques Brels berühmtem Chanson "Ne me quitte pas". Gefolgt vom ebenso großartigen "Amsterdam", ebenfalls aus der Feder von Brel, dem Hoffmann 1997 ein preisgekröntes Musical gewidmet hat. Natürlich beherrscht der Sänger auch die Kunst des heiter-optimistischen Liebeslieds. Eins der schönsten ist "Ein Leben lang mit dir". Ein grandioser Abend mit einem sorgsam ausgewählten Querschnitt aus dem gewaltigen kreativen Schaffen von Klaus Hoffmann. Das Publikum dankt es mit lang anhaltendem Jubel.
"Die Welt" 13.11.2018
Hüter der Romantik
Von Stefan Krulle
Klaus Hoffmann entzückt sein Publikum in der Laeiszhalle mit alten Hits und neuen Liedern, die sich hören lassen können


Wir sind endlich zurück auf der Insel der Glückseligen, der Reiseleiter ist schon da. Es wird ihm applaudiert, als sei die traumhafte Fahrt bereits bei ihrem Finale Furioso angelangt. Dabei hat Klaus Hoffmann gerade einmal die Arme gehoben, noch nichts gesagt und singt jetzt „Der Preis der Macht“, ein Lied aus dem Jahre 1989. Ein Schicksalsjahr der Deutschen, wie so oft gesagt wird, allerdings auch eines jener Zunft, der Hoffmann an seinen Konzertabenden wie am Sonntag in der gut besuchten Laeiszhalle gemeinsam mit seiner Gemeinde nachtrauert. Denn den Liedermacher als solchen, seien wir ehrlich, gibt es eigentlich nicht mehr.

All die Waders und Weckers, Danzers, Roskis, Sulkes und eben auch Hoffmanns, welche damals die Republik mit höchst unterschiedlichen Versen zum leisen Widerstand und manchmal gar mit einem Hauch des Duftes nach friedlicher Rebellion versorgten, sie leisten heute, so sie denn noch am Leben sind, eine Art Grundversorgung für die Reste der Unentwegten. Ihre Fans vermissen wahrscheinlich provokante Fernsehspiele, Politmagazine zur Hauptsendezeit, Texte mit Hintersinn und voller Ironie, vielleicht den Konjunktiv und ganz gewiss handgemachte Musik wie die von Hoffmann.

Die war damals übrigens nicht etwa der Soundtrack nur des Bildungsbürgertums: Ich habe mir sein Live-Doppelalbum „Ich will Musik, will Spiel und Tanz“ als 15-Jähriger gekauft und seine „Blinde Katharina“ immer dann aufgelegt (so hieß das damals), wenn ich eine Lesepause bei Hermann Hesses „Steppenwolf“ einlegte. Ich war da kein Einzelfall, und eventuell lassen sich so die glücklichen Gesichter sogar Nachgeborener erklären, als Hoffmann am Sonntag tatsächlich die Zeilen „Nur weil ich vermute, dass ich sehend bin, brauch‘ ich doch nichts erkennen. Komm wir schmeißen einfach alle Regeln hin, du zeigst mir, wie man sieht“ anstimmte.

Die einstige Reinheit seiner Kunst versieht mittlerweile auch Hoffmann mit neuen Zutaten. Er narratiert aus seiner bekanntermaßen schwierigen Berliner Jugend, in der die Mutter Bata Ilic und den Gefangenenchor aus Nabucco liebte und dekoriert seine melancholischen Anekdoten mit einer gewissen Alterslarmoyanz, aber auch mit präpubertären, mundgeblasenen Flatulenzgeräuschen. Auch die Zeiten, da ihm das französische Chanson als Grundmuster seiner eigenen Lieder diente, sind zumindest ein Stück weit Vergangenheit. Heute darf es gern auch mal ein bisschen Bossa Nova oder Gypsy Swing sein. Zwischendrin ein paar politische Sottisen über eine Frau, „die immer so macht“, Hoffmann formt jetzt eine Raute mit den Händen, „die bald wohl gehen wird und keiner wird es merken. Lebt eigentlich der Honecker noch?“. Das Gelächter wächst hörbar am Vermissten, doch die Wehmut tut dies auch, als der 67-Jährige seine „Gerda“ auffordert, die ganze Nacht zu tanzen.

Sein Begleitquartett bietet dem Sänger den ganzen, fast drei Stunden langen Abend ein famoses Rückgrat, die langjährigen Begleiter Hawo Blech (Flügel), Michael Brandt (Gitarre), Stephan Genze (Schlagzeug) und Peter Keiser am Bass agieren ohne jeden Egoismus und mit viel Gefühl für die kleinen Kurskorrekturen ihres Chefs und quittieren dessen Erzählungen mit mildem Lächeln. Etwa wenn Hoffmann von den Canasta-Abenden seiner Mutter mit deren Freundinnen erzählt, bei denen er als Hähnchen im Korb „mehr über Damenunterwäsche als über Keilriemen“ erfahren habe und im Hintergrund die Lieder der Trude Herr gelaufen seien: „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann!“

Als Running Gag des Abends stellt Hoffmann erstaunlich uneitel seine eigene, einstige Schönheit unter die Wohnzimmer-Stehlampe und kokettiert nur ein einziges Mal mit dem bereits erreichten Alter, als er von einer kürzlichen Blasenspiegelung berichtet. „Weil man das“, wie er sagt, „wenn überhaupt, dann in einer Stadt wie Hamburg ungestraft tun kann.“

Irgendwann stimmt Hoffmann sogar einen Sirtaki an und unterbricht nach drei Takten für die dringliche Warnung „wagt es jetzt bloß nicht zu tanzen!“ Ihr wird Folge geleistet, es kommen mit „Du siehst aus wie Papa“ und „In deinen Augen“ zwei Lieder des jüngsten, überaus gelungenen Albums „Aquamarin“, zumindest solange man es nicht ausschließlich am Frühwerk des Künstlers misst. Dessen brachiale Wucht und Tiefe hat Hoffmann, wie er wohl selbst nur zu gut weiß und dann und wann in allerdings wunderbarer Melancholie ertränkt, nie wieder erreicht.

Wer jedoch Konstantin Weckers „Es herrscht wieder Frieden im Land“ oder sein „Haberfeldtreiben“ hört, wer Hannes Waders tiefrote Poetereien oder Danzers frühen Wiener Schmäh mit deren Spätwerken oder heutigen Auftritten (leider ohne den verstorbenen Danzer) vergleicht, findet ziemlich unschwer Leidensgenossen.

Als Ulrich Plenzdorf 1968 aus Goethes Werther, Salingers „Fänger im Roggen“ und Defoes „Robinson Crusoe“ ein Stück namens „Die neuen Leiden des jungen W.“ verfasste und 1975 mit Klaus Hoffmann in der Hauptrolle verfilmte, hat er dem jungen Mann ein schweres Bündel auf den Rücken geschnürt. Zumindest streckenweise gelingt es diesem bis heute, einen Teil der deutschen Romantik in unsere so unromantischen Zeiten hinüber zu retten. Nur die Jugend hört halt nicht mehr zu.
Hamburger Abendblatt 10.11.2018
Interview
LIEDERMACHER
Liedermacher Klaus Hoffmann hat kein Problem mit dem Alter
Christoph Forsthoff
Mal ruhig, mal kraftvoll: Klaus Hoffmann singt über Gefühle, über romantische Stimmungen. Und möchte nur eins nicht – kitschig sein.

Kaum einer kann Melancholie so interpretieren wie der Liedermacher Klaus Hoffmann. Ein Gespräch über das Alter und die Sehnsucht.
Berlin. Seit 50 Jahren singt er Lieder über die Liebe – dabei wollte Klaus Hoffmann (67) eigentlich gar nicht Sänger werden. Der gebürtige Berliner machte nach der Realschule eine Ausbildung zum Kaufmann für Stahl und Eisen und entschied sich dann erst einmal für den Schauspielerberuf.

Er spielte im Theater, im Film – und nebenbei tingelte er mit seinen Liedern durch die Szenekneipen. Jetzt ist der Mann der leisen Töne wieder auf Deutschland-Tour (14. November/Kölner Philharmonie). Ein Gespräch über Ankommen und Loslassen.

Es heißt, mit Ihrem Album „Aquamarin“ seien Sie bei sich selbst angekommen?

Klaus Hoffmann: Niemals und never, die Reise geht weiter – es ist einfach Quatsch. Ich hätte das Album auch „Amarcord“ betiteln können. Das heißt im Italienischen „Ich erinnere mich“. Und mit ebendiesem Gedanken beschäftige ich mich schon die letzten drei Alben – so gesehen ist da jetzt etwas angekommen. Aber ich gehe natürlich hoffentlich weiter.

Sie können sich auf der Bühne verlieren, haben Sie einmal gesagt. Was heißt das?

Hoffmann: Ja, ein Stück weit ist die Bühne für mich bis heute ein unheimlicher Ort, mich auch lustvoll zu verlieren. Und ein geschützter Ort: Ich gehe da raus, die Texte stehen mehr oder weniger fest, und wenn ich mich daran halte, macht der Schauspieler Hoffmann schon eine Menge guter Sachen.

Der Regisseur Tom Toelle hat immer zu mir gesagt: Du singst im Grunde, um deine Ängste auch zu bewältigen, du willst dich verlieren im Schutz dieses Auditoriums. In der Tat ist es ein fortwährender Prozess des Weggehens und Wiederankommens. Natürlich könnte ich stattdessen auch eine Religion anstreben. Haben Sie etwas im Angebot?

Die fernöstlichen Weisheiten sind derzeit ja wieder sehr gefragt.

Hoffmann: Das habe ich auch schon alles erlesen, damals in den 70er-Jahren. Letztlich ist es immer die Suche nach einem, der die Sinnsuche für dich klärt und sagt: Ich nehme dich jetzt an die Hand – und so gehst du durchs Leben.

Sie haben mehr als 600 Lieder geschrieben. Gab es da nie die Angst, sich zu wiederholen?

Hoffmann: Absolut, das macht man ja auch. Aber es ist doch völlig unwichtig – entscheidend ist, dass du es machst. Ich hoffe doch auch, dass ein Bob Dylan sich wiederholt, und kaufe mir sein neues Album, um ebendas zu hören. Säße er hier, würde er sagen: Das geht mir doch völlig am Arsch vorbei.

Braucht es Sehnsüchte, um kreativ zu sein?

Hoffmann: Ja – und bei mir gibt es davon noch eine Menge. Das sind auch verkleisterte Kinderwünsche – wie der nach Frieden. Wenn ich es lächerlich machte, würde ich sagen: Ich wollte immer eine unbewohnte Insel mit einem heftigen Nachtleben.

Wird man über solche Sehnsüchte nicht irgendwann unglücklich?

Hoffmann: Sie meinen, weil sie sich erfüllen sollten? Meine Sehnsucht nach einem Vater, den ich zu wenig hatte, wird sich nicht mehr erfüllen – aber darüber werde ich nicht unglücklich. Denn diese Lücke ist auch ein Teil meiner Kreativität.

Ihr Publikum ist mit Ihnen älter geworden. Haben Sie Ambitionen, mehr jüngere Menschen in Ihre Konzerte zu locken?

Hoffmann: Soll ich mich wie einige Kollegen hinstellen und sprachlich auf die Kacke hauen, um einen Jugend-slang vorzugeben? Das würde ich nie machen. Aber deshalb bin ich trotzdem noch nicht im Altenheim unterwegs.

Der Vorteil des Alters sei, so haben Sie einmal gesagt, dass man schon eine Menge erlebt habe. Aber werden die Zukunftsängste größer?

Hoffmann: Bestimmt – doch Ängste begleiten uns ohnehin ein Leben lang. Ich finde es etwa einfach immer wieder unglaublich, dass wir uns hier irgendwann verabschieden müssen. Woody Allen hat das mal sehr schön auf den Punkt gebracht, als er die Frage gestellt bekam, wie er zum Tod stünde – und er geantwortet hat: Ich bin dagegen.

Und wie sieht es mit Ihrem politischen Aufbegehren aus? Könnten Sie sich vorstellen, wieder politischer in Ihren Liedern zu werden?

Hoffmann: Mal sehen – ich habe jetzt wieder ein altes Lied herausgekramt: „Stein auf Stein“ von 1991. „Ich geh auf den vereinten Straßen, es riecht nach Dummheit und Gefahr …“ Aber da muss ich noch mutiger werden, um zu sehen, was ich sagen will. Denn ich erzähle doch jetzt nicht einfach bloß etwas zu Chemnitz: Da ist doch sowieso klar, dass wir die Guten sind.
Neue Presse, 08. November 2018
Klaus Hoffmann macht es mit viel Gefühl
Er ist einer der letzten großen Romantiker in der deutschen Musikszene. Mit seinem aktuellen Album „Aquamarin“ gastierte Klaus Hoffmann im Theater am Aegi.
Klaus Hoffmann macht es mit viel Gefühl
Er ist einer der letzten großen Romantiker in der deutschen Musikszene. Mit seinem aktuellen Album „Aquamarin“ gastierte Klaus Hoffmann im Theater am Aegi.

Mit viel Gefühl: Klaus Hoffmann legt sich rein bei seinem Konzert im Theater am Aegi.

„Ich schäme mich ein bisschen, wenn ich an einem Spiegel vorbeilaufe“, sagt Klaus Hoffmann im Theater am Aegi: „Ich sehe immer noch so gut aus“.
Manchen der 750 Besucher ist der Liedermacher mit jugendlichem Schlafzimmerblick gerade deshalb auf einem frühen Albumcover aufgefallen, einige sind erst später in der 50-jährigen Karriere des Berliners dazugekommen – und sind nicht wegen seines (nur halb im Ernst angesprochenen) Äußeren da: Auf der Tour zum „Aquamarin“-Album werden vor allem die Worte Hoffmanns mit Applaus begrüßt. Er ist Chansonnier, Schauspieler und Romancier in Personalunion. „Weil Du nicht bist wie alle andern“, „Der Preis der Macht“ und „Hanna“ stammen aus drei verschiedenen Jahrzehnten und werden musiziert von langjährigen Weggefährten.
Michael Brandt, an der Gitarre, ist seit 35 Jahren dabei, auch Peter Kaiser am Bass, Stephan Genze an den Drums und Hawo Bleich an Klavier und Keyboard bezeichnet der Sänger als Freunde – ihr Soundtrack ist sanft wie der einer Casinoband, mal Balearisch, mal kammerjazzig, doch mit arg künstlich eingeflogenen Streicher- und Synthie-Arrangements aus dem Keyboard, die den Chansons Hoffmanns ein wenig Charme kosten.
„Ich sehe so viele Gesichter, die ich kenne“, sagt er ins Publikum; viele geben per Handzeichen zu, ihn schon vor 20 Jahren im Aegi gesehen zu haben, „Blinde Katharina“ singen sie von der ersten Silbe an mit.
Mit Klavieruntermalung erzählt Hoffmann aus seiner Kindheit in Berlin, dann von Verflossenen aus der Jugend und einer prägenden Autofahrt nach Kabul – trotz der Anekdoten ziert er sich mit distanziertem Charme, theatralisch in der Erzählung, ganz und gar nicht kumpelhaft: Hier ist nur einer der Star, und diese Karriere war schon in den späten 60ern geplant, als Hoffmann in Berliner Clubs debütierte.
„Für det bißchen Zärtlichkeit“ sind die Fans gern gekommen, und für die „Melancholia“ – „Irgendwann einmal“ ist ein neuerer Song, der noch in die Zukunft blickt. Mit seiner Musik bewegt sich Hoffmann in einer zeitlosen Sphäre, von Trends und Szenen fast unberührt. Seine Idole Jacques Brel und Charles Aznavour haben sich so in den Liedermacher-Kanon musiziert, Hoffmann stellt sich in ihre Tradition – sein Konzert im Aegi ist am besten, wenn er ganz Chansonnier sein kann: In „Amsterdam“ etwa, auch Brel hat ja gern von großen Städten gesungen.
Von Lilean Buhl
RollingStone November 2018
CD-Besprechung
Unverkennbar süffige hoffmanneske Chansons und Balladen
Auf den Fotos im Booklet flaniert er durch Venedig und probiert einen Hut auf, fast Dirk Bogarde in „Tod in Venedig“. Aber die Lieder auf „Aquamarin“ sind doch hoffmannesk, zirkuskregel und chansonsüffig, klezmerselig und streichersatt, man kann sagen: unverkennbar. Die berlinerischen Couplets zwischen Sonnenallee und Kladow, die Liebeslieder und Balladen sind am schönsten, wenn nicht zu viel süße Orchesterglasur drüberliegt. Wenn aber doch, wie bei „Für dich“, ist es fast „Ne me quitte pas“ und, ja, schon: herzergreifend. Jimmy Webbs „The Moon’s A Harsh Mistress“ hat Hoffmann zu „Die Mondin ist ein kalter Stein“ umgedichtet. Und die Bläser bei „Jemand, der mich liebt“ sind wunderbar heilsarmeemäßig arrangiert. (Stille Musik/Indigo)
ARNE WILLANDE
Berliner Morgenpost 12.10.2018
"Die Zeit gehört den Zärtlichen"
Klaus Hoffmann gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Liedermacher. Am Freitag erscheint sein 42. Album.
12.10.2018, 05:30
Yannick Höppner

Klaus Hoffmann schwelgt in Erinnerungen, doch nicht jede davon ist versöhnlich.Foto: Reto Klar


Berlin. Es könnte Klaus Hoffmanns letztes Album sein. Nicht nur deshalb war „Aquamarin“ für den 67-jährigen Musiker und Schauspieler eine Anstrengung. Ab November ist er wieder auf Tour, vorher hat er mit uns gesprochen: über das Album und das Leben.

Herr Hoffmann, können sich Ihre Hörer auch nach 42 Alben noch auf etwas Neues bei Ihnen freuen? Und wenn ja, was wäre das bei "Aquamarin"?

Klaus Hoffmann: Die Antwort auf die erste Frage ist, dass sie nicht erpicht sind unbedingt diesen Erfolg zu verbuchen etwas Neues gefunden zu haben. Darunter liegt aber die Suche, doch etwas Neues dabei herauszukriegen. Bei "Aquamarin" ist das, glaube ich, dass ich die Werte, also das, was mir wichtig ist, besser herausgekitzelt habe. Außerdem singe ich ein bisschen besser.


Nach mehr als vierzig Jahren auf der Bühne?

Klaus Hoffmann: Na ja, glücklicherweise habe ich schon gehört, dass es einigen nicht nur gefällt, sondern dass sie auch sehen, was ich da versucht habe reinzubringen. Ich bin ja einer, der noch aus dem Liedermachen kommt, aus den 60er-Jahren, aber dann überging zu den Franzosen. Ich habe es immer gemocht, wenn die so theatralisch, groß und pathetisch ihre Sehnsüchte beschrieben. Und das habe ich eben versucht, auch auf diesem Album wieder zu machen.

Und das scheint Ihnen gelungen.

Klaus Hoffmann: Ja, ich habe das Album unglaublich gern. Leider bin ich nicht mehr so pathetisch, aber die Inhalte, mein Inneres nach außen zu bringen, die sind geblieben und haben sich in diesem komischen Wort "Aquamarin" erfüllt.

Was bedeutet denn die Farbe Aquamarin für Sie?

Klaus Hoffmann: Als alter Berliner wollte ich immer nach Langeoog und wurde auch verschickt in dieser Nachkriegsgeneration. Mit den Kids, die nichts hatten und dann diese große Freiheit erleben sollten. Oder mal durchatmen. Es ist das kindlich romantische Bild auf der Suche nach dem Meer. Aber es ist auch ein Code: Erinnere dich. Da kommst du her, da gehst du immer wieder hin. Insofern ist meine Farbe schon das tiefe, männliche Blau, und das begleitet mich immer fort.

In ihren Texten bemühen Sie immer wieder das Kind von früher. Wird das schwerer mit der Zeit - oder sogar lästig?

Klaus Hoffmann: Ja, es nervt.

Warum tun Sie es sich dann an?

Klaus Hoffmann: Weil es wahrhaftig die tiefste Empfindung ist. Wo ich recht und unrecht hatte. An sich erzähle ich immer die gleiche Geschichte. Aber da kommt alles her, und vielleicht geht da auch alles wieder hin. Es ist ein romantisches Bild, aber es ist verkleistert. Dieses tapfere Kind, das du mal warst, mehr oder weniger unvollkommen, hat so seinen Platz in der Welt gesucht. Und irgendwann hast du dir die ersten Backpfeifen geholt und kapiert, gewisse Fragen gehören hier jetzt nicht mehr hin.

Auf dem Album singen Sie sinngemäß davon, dass damals ohne die Beatles alles noch viel schlimmer gewesen wäre. Haben Sie mit Ihren Texten auch den Anspruch, etwas Frieden zu stiften?

Klaus Hoffmann: Ich war ja ein John Lennon-Fan, jetzt bin ich aber auch älter geworden. Meine Vorbilder kamen eher aus Frankreich, Jacques Brel zum Beispiel. Blöderweise sind nun alle Vorbilder gestorben. Jetzt bin ich mein eigenes, muss das also einlösen. Friedenstiftend — mein erstes Lied aus dieser Gattung hieß „Heute rette ich die Welt“. Ich als dieser Knirps, der erzählt, ich rette die Welt. Wen will er denn da alles retten? Die Welt, das ist ja nun schon ziemlich groß. Diese Aufgabe verspürt habe ich nie, aber ich glaube, ich hatte sie immer. Aber ich habe nicht vor zu sagen: Friede, Freude, Eierkuchen. Obwohl das der Inhalt meiner Lieder ist.

Es ging bei Ihnen oft um Sehnsucht, den Aufbruch, das Glück. Wenn man so lange auf der Suche danach ist, kommt man dem von Album zu Album ein Stück näher?

Klaus Hoffmann: Nein, überhaupt nicht. Ich empfinde Dankbarkeit, dass ich das alles überhaupt erzählen kann. Und davon lebe. Und das ich das gespiegelt bekomme von Menschen, über 40 Jahre lang. Ich glaube aber, die Sehnsucht hört nie auf.

Das Rebellisch-Sein scheinbar schon.

Klaus Hoffmann: Ich bin in den ersten Jahren mit meinen rebellischen Platten rausgegangen, viele wollten mich dann noch immer so bewahren. Der junge Werther, immer kritikfreudig. Aber das heißt nicht, dass ich das heute weniger sehe. Ich glaube, ich sehe es sogar viel mehr. Aber ich gehe nicht auf das Vokabular ein, das das politisch irgendwie abklopft.

Das Lied „Jemand, der mich liebt“ handelt von kantigen Menschen, die sich bekriegen.

Klaus Hoffmann: Das stimmt. In letzter Zeit finden wir uns ganz schnell bei Themen wie Chemnitz ein. Ich meinen Liedern muss ich nicht direkt verweisen auf diesen politischen Anspruch, ob korrekt oder nicht korrekt. Aber die Zeit ist, dass wir als Liedermacher diese Themen berühren müssen, mehr denn je. Dass wir zusammengehören und kein Rassismus gepflegt wird. Sagt den Idioten, die Zeit gehört den Zärtlichen.

Ihre Zeit hat auch dem französischen Chansonnier Jacques Brel gehört, dem Sie sich schon immer sehr verbunden fühlten. Wie viel Brel steckt in „Aquamarin“ — oder haben Sie ihn mit der Zeit abgearbeitet?

Klaus Hoffmann: Ja, ganz wenig. Ich habe ihn entlassen. Aber wenn ich ihn brauche, dann hole ich ihn immer wieder gerne herein. Brel habe ich ja leider nie kennengelernt, ich war nur wie besoffen von seiner Stimme. Die war so weiblich-männlich, scheinbar rebellisch und trotzdem so gefühlvoll. Und der weinte dann, das hat mir gefallen. Und dann habe ich auch angefangen für mich eine Stimme zu finden. Die hatte ich nicht immer, ich habe wirklich geklungen wie ein kaputter Auspuff. Und irgendwann habe ich die ganze Zeit einfach nur gesungen. Voller Ängste. Vor Leuten auftreten in den 60ern, in den Clubs, die haben dich heruntergezerrt mit deinen leisen Liedern. Heute bin ich ganz froh, das gemacht zu haben.

Das Resultat sind mehr als 600 geschriebene Songs. Feiert man nach dem 42. Album überhaupt noch?

Klaus Hoffmann: Heute gucken wir immer auch mit einem Auge auf dem Markt. Und wenn der Markt dich segnet, im Sinne von du bist noch da, dann fängst du irgendwann an zu feiern. Aber vorher nicht, außerdem bin ich Protestant. Aber generell — die Frage ist gut, ja. Warum nicht mal wieder feiern?

Sie haben in Ihrer Biografie geschrieben, dass jeder Musiker beim Produzieren eines Albums denken würde: „Das ist die letzte Platte.“ War sie das?

Klaus Hoffmann: Das habe ich auch gedacht, aber seit ein paar Tagen sehe ich das wieder anders. Ich glaube, mit diesem Gefühl muss man in ein Album hineingehen.

Macht Ihnen denn das Älterwerden etwas aus?

Klaus Hoffmann: Unbedingt, weil die Kiste irgendwann zu ist. Das war mein größtes Problem in meinem ganzen Leben, das zu sehen und nicht anzuerkennen. Was ist es eigentlich, was dich aus dieser Erkenntnis rettet? Das ist Leben — oder? Und das ist auf der Bühne ganz schön.
AUDIO 11/2018:
Klaus Hoffmann AQUAMARIN
Mitte der 1970er - ja, über 40 Jahre ist das schon her - debütierte der Schauspieler Klaus Hoffmann als Sänger, noch bevor er mit den "Neuen Leiden des jungen W." seinen filmischen Durchbruch erlebte. Mehr als drei Dutzend Alben, DVDs und Romane später veröffentlicht der inzwischen 67jährige Berliner eine neue CD, die er mit seiner Band auch live vorstellen wird. "Aquamarin" ist so herrlich unmodern, so mutig gefühlig, so melancholisch chansonesk, so souverän schmalzig wie seine besten Alben aus der Frühzeit. Erstaunlich, wie gut sich seine mitunter vibrierende Stimme gehalten hat. Streicher? Aber gerne. Abgeschmackte Bilder wie "der Regen weint"? Gibts auch. Kandidaten für das schönste Lied des Jahres 2018? Unbedingt!
Lothar Brandt